Media Markt gegen Media-Blöd.de: Das Geld gewinnt

18. May 2012

Media Markt gegen Media-Blöd.de: Das Geld gewinnt

Meine Frage „Ist Pressefreiheit in Deutschland die Freiheit der Anwälte?“ bekommt wieder eine neue Antwort: Media-Blöd.de akzeptiert die Abmahnung des Media Marktes – weil das Geld fehlt, für das eigene Recht zu kämpfen.

media-bloed-sidebar.jpgRainer Kohnen, der Betreiber von Media-Blöd.de wird nicht gegen die Abmahnung des Media-Markt gegen seine Media-Blöd-Satire (Hintergründe: Media-Blöd Abmahnung durch Mediamarkt-Steinhöfel/Höbelt und Media-Blöd: Gegen den Mediamarkt prozessieren oder aufgeben?) vorgehen, da er mit Kosten von 4.000 € bis 40.000 € rechnen muss, um den Prozess zu führen. Zwar müssen diese Kosten im Falle einer Niederlage des Media Markt von diesem übernommen werden, das Prozessrisiko bleibt jedoch. Die Chancen für den Prozess stehen allerdings sehr gut für media-blöd.de: mehrere Beobachter analysierten den Fall unabhängig voneinander (z.B. Media-Markt Abmahnung gegen Media-bloed.de und fettisch.de und J!Cast 26 Media-bloed – Was darf Satire) und sagten einen positives Ergebnis für Media-Blöd.de voraus.

Doch ein solcher Prozess muss erst einmal finanziert und geführt werden. Durch die einstweilige Verfügung des Media Marktes wurden die nötigen Prozesskosten weiter in die Höhe geschraubt.

Rainer von Media-Blöd.de hatte sich mehr öffentliche Unterstützung erhofft. Weder die Spendengelder von 170 €, noch Unterstützung durch die Blogosphäre und die Medien (trotz Spiegel Online Artikel) waren seiner Meinung nach ausreichend. Er hat jetzt Banner erstellt, die auf eigenen Webseiten veröffentlicht werden können und verkauft passende T-Shirts. Das soll unter anderem helfen, seine jetzigen Kosten von 2000-3000 € wenigstens teilweise zu decken und das Thema in der Öffentlichkeit zu halten.

Rainer gibt sich trotzdem kämpferisch:

Ich werde daher zwar nicht gegen den Media Markt prozessieren, aber ich werde auch weiterhin diese Zustände anprangern und Parodien und Satire auf Media-Blöd.de veröffentlichen.

Und ich werde nicht aufhören, mich für Meinungsfreiheit und für die Möglichkeit Parodien und Satire im Internet veröffentlichen zu können einzusetzen. Deshalb bin ich dabei gemeinsam mit einigen anderen Bloggern, Forenbetreibern und anderen Interessierten einen gemeinnützigen Verein mit eben diesem Ziel zu gründen. Wenn jemand Lust hat mitzumachen, einfach eine Mail schicken!

Spannend ist vor allem die Aussage von Media Markt Rechtsanwalt Steinhöfel. Rainer schreibt:

Ich habe darum auch bei Herrn Rechtsanwalt Steinhöfel angefragt, ob er evtl. bereit wäre auf Grund meiner finanziellen Situation auf einen Teil seines Honorars zu verzichten.
Herr Steinhöfel hat sich zwar die Zeit genommen, die unterschiedlichen Aspekte der Situation mit mir zu erörtern, auf einen Teil seines Honorars zu verzichten lag ihm jedoch fern, unter anderem aus dem Grund daß ich seiner Meinung nach uneinsichtig sei, da ich Kontakt zu den Medien gesucht hatte.
Im Übrigen vertrat er den Standpunkt daß es einem schon etwas wert sein sollte für die Meinungsfreiheit als hohes Gut der Demokratie einzutreten, und dass 40.000 € sicher kein zu hoher Preis dafür wären.
Womit er ja irgendwie Recht hat, oder! Schade nur, daß er die Summe nicht spenden wollte.

Insgesamt ist es erschreckend zu beobachten, wie die Presse- und Satirefreiheit in Deutschland weiter eingeschränkt wird. Besonders für die Kleinen ist es schwierig eigene Rechte gegenüber ‚den Großen‘ durchzusetzen, da fast jede Art der Berichterstattung mit dem Mittel der Abmahnung erst einmal wirkungsvoll unterdrückt werden kann. Dagegen vorzugehen benötigt eine große Menge Zeit und Geld und setzt damit die Hürden für freie Berichterstattung immer höher. Hier ist die Blogosphäre aufgerufen, auf diese Missstände aufmerksam zu machen und entsprechenden Themen mit Hilfe ihrer exzellenten Vernetzung den richtigen Spin zu geben um dann in den klassischen Medien entsprechende Beachtung zu finden.

In meinem Vortrag „Rechte und Pflichten im Web: Abmahnungen oder warum ein Brötchen 6000 Euro wert ist“ beim vierten WebMonday werde ich über diesen Fall berichten und damit hoffentlich auch einen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit der Blogosphäre leisten.

Update: Haben die vielen Proteste Wirkung gezeigt? Die FAZ titelt “Media-Saturn-Konzern sucht anderes Image” und berichtet, das der Anwalt Steinhöfel nicht mehr für den Media Markt arbeiten wird.

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  2. [...] Media Markt ./. Rainer Kohnen (Media-Blöd) Geld siegt über die Freiheit der Kunst. Und ein Recht auf Satire gibts nicht. Oder anders gesagt: Über Media Markt macht man nur Witze, wenn man blöd ist. Sonst kommt der Herr Anwalt und macht dich finanziell platt. Was soll man da als Blogger tun? Am Besten einkaufen gehen. Aber nur bei Unternehmen, die einem auch wirklich sympathisch sind. [...]

  3. [...] • Abmahnungen, die zweite: Die TAZ titelt „Recht haben wird unbezahlbar“ und greift damit ein Problem auf, welches in der Blogosphäre schon ausführlich diskutiert wird. Das dieses Thema nicht rein akademischer Natur ist, lässt sich am Beispiel Media Markt gegen Media-Blöd.de beobachten. via Mein-Parteibuch.com [...]

  4. [...] erinnere mich da an eine Geschichte, die vor guit zwei Jahren durch die Bogszene geisterte und im Happy Arts Blog recht gut beschrieben worden [...]

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