Wie die Telekom die alternativen Festnetzanbieter "abhängt"

18. May 2012

Wie die Telekom die alternativen Festnetzanbieter "abhängt"

Nur vier Tage, nachdem die letzte technische Hürde für meinen DSL-Anschluß genommen wurde, erhielt ich ein Anruf aus dem Telekom-Callcenter. Der Mitarbeiter sagte mir, das ich ab sofort im T-Punkt einen DSL-Anschluß bestellen könne, das wäre doch eine “gute Nachricht, oder?”. Die Information war nicht neu, deshalb stand ich schon mit Jetz in Verbindung und hatte den DSL-Anschluß bereits beantragt. Eine telefonische Nachfrage am Montag ergab, dass der Anschluß am 2. März gelegt werden solle. Auf die Frage, warum es nicht schneller geht, erklärte mir der Mitarbeiter, das Jetz mit der Telekom einen Rahmenvertrag über eine Abnahme eines bestimmten Kontingentes an Leitungen hat, die dank vieler Anmeldungen erreicht wurde und somit Wartezeiten entstehen. Am heutigen Freitag erhielt ich von Jetz einen Anruf, das man meinem Wunsch nach einem DSL-Anschluß leider nicht nachkommen könne. Sofort musste ich mich an das Zitat, “die alternativen Anbieter dürfen mit erheblichen Problemen rechnen” erinnern. Den Grund hatte ich schon im Artikel “Hintergrund: DSL-Versorgung in Jena” beschrieben: Die Telekom hat auf ein mordernes Breitband Opal Glasfasernetz von Siemens umgerüstet. Erst ab dem letzten Verteiler vor dem Haus (Ooutdoor-DSLAM) wird Kupferkabel genutzt. In dem Verteiler werden die Anschlüsse auf Glasfaser multiplext. Mit dieser Technik ist selbst ADSL2+ und VDSL ohne größeren Aufwand möglich.

Die alternativen Anbieter benötigen jedoch ein Kupferkabel bis direkt in die Vermittlungsstelle, wo die eigene Technik steht. Da dies bei den Breitband Opal Anschlüssen nicht mehr der Fall ist, sind automatisch alle alternativen Anbieter ausgesperrt, zumindest zum aktuellen Zeitpunkt. Mir bleibt jetzt nichts anderes übrig, als zurück zur Telekom zu wechseln. Nachdem ich den Versuch mit Opera die Homepage von T-Com zu besuchen aufgegeben hatte, durfte ich feststellen, das die Telekom für eine vergleichbare Leistung (55,90 €/Monat für gigafon premium 6000 von Jetz vs. 78,84 €/Monat für T-ISDN/XXL Fulltime + T-DSL 6000 + T-Online dsl flat bei T-Com) fast 23 €/Monat (entspricht 41 Prozent Aufpreis) mehr verlangt. Den Plan, die Flatrate bei einem der zahlreichen alternativen Anbieter kostengünstiger zu bestellen, musste ich auch aufgeben, da die Telekom 99 € Anschlußpreis für DSL verlangt, sollte man die Flatrate nicht mitbestellen. Mit viel guten Willen könnte man das als “Kundenbindungsprogramm” bezeichnen. Leider ist es nicht möglich, den Anschluß gleich im Web zu bestellen, denn für die Telekom gibt es entweder Bestandskunden oder Neukunden, jedoch keinen Wechsel von einem anderen Anbieter. Deshalb blieb mir der Gang zum T-Punkt nicht erspart. Dort angekommen warteten die nächsten Überraschungen auf mich: es ist nicht möglich, gleichzeitig einen Wechsel (Portierung von Jetz zu Telekom) und DSL zu beantragen. Zuerst wird jetzt mein Anschluß auf T-ISDN umgestellt und dann darf mit einem Aufschlag von weiteren 10 Tagen auf T-DSL warten. Da eine Kündigung des alten Anschlusses im günstigsten Fall erst 14 Tage im Voraus zum Monatsende möglich ist, wird es nach aktuellem Stand bis mindestens Mitte März dauern, bis der DSL Anschluß läuft. Vielleicht.

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  1. Die Strategie scheint aufzugehen: “T-Online schafft deutliche Steigerung bei DSL-Neukunden”: http://www.heise.de/newsticker/meldung/68851

  2. Passend zu diesem Thema nun der Expertenartikel in der Telepolis: http://www.heise.de/tr/artikel/71197

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