2. September 2010

Fußballfans sind keine Verbrecher …

… skandierten die Fans zu Beginn des heutigen Spiels minutenlang in Jena (Video von Tobias Stepper auf YouTube, weiteres Video auf myvideo.de, weitere Videos zum Download) und erklären das nicht etwa den Politikern, sondern diesmal den Medien. Auslöser sind die Ereignisse am Schluss des Fußballspiels Burghausen gegen FC Carl Zeiss Jena letzte Woche in Burghausen.

Den vielen (weitestgehend übereinstimmenden) Augenzeugenberichten zu Folge war der eigentliche Auslöser ein Ordner, der einen Fan, welcher zum Spielende auf den Zaun geklettert war, von dort gewaltsam herunterholte. Der Ordner soll schon während des Spieles als aggressiv aufgefallen sein. Es wurde berichtet, dass danach eine Gruppe von 20 Polizisten und Ordnern im Gästeblock mit Pfefferspray und Schlagstöcken gegen die Fans vorgegangen ist. Das extrem harte und unnötige Eingreifen wurde von vielen Seiten, insbesondere aber den Fans auf das schärfste verurteilt.

Ergebnis der Schlacht waren über 20 verletze Jenaer (8 wurden im Krankenhaus behandelt, 2 erst am nächsten Tag entlassen), 4 verletzte Polizisten, ein verletzter Ordner und ein tiefer Graben zwischen Fans und Ordnern sowie der Polizei. Für alle Seiten ist das eine denkbar schlechte Bilanz.

An der schlechten Bilanz haben jedoch auch die Medien ihren Anteil. Insbesondere die Live-Berichterstattung des DSF wurde als einseitig und reißerisch verurteilt. In den Medienberichten wurde von Glasflaschen und sogar Metallteilen gesprochen, welche die Fans geworfen haben sollen. Die Kontrollen zum Gästeblock waren jedoch nach Aussage der Fans so gründlich, dass es gar nicht möglich war, Glasflaschen mit in den Block zu nehmen. Die weiteren Berichte sind ebenso einseitig: der Kicker berichtet von Randalen und die Bayrische Polizei hat auch ihre Sicht der Dinge. Ein Lob gilt hier der MDR Sportberichterstattung: Als eine der wenigen Medien haben sie auf die deutliche Diskrepanz der Berichte hingewiesen und lassen beide Seiten zu Wort kommen. So sollte Berichterstattung eigentlich immer aussehen – aber im Fußball sind die Feinbilder schon lange geklärt und die Medien brauchen Feindbilder zum überleben.

Der Verein FC Carl Zeiss Jena hat zu den Ereignissen eine offizielle Stellungnahme veröffentlicht, die das „aus unserer Sicht völlig überzogen und das rücksichtslose Vorgehen einiger Polizeibeamter“ aufs schärfste kritisiert. Ein wichtiger und mutiger Schritt. Der Schaden für alle wird jedoch bleiben.

Nachwort:

Vor kaum einem halben Jahr war ich das erste mal in einem Fußballstadion. Heute war da achte Spiel für mich. Das ist kein großer Erfahrungsschatz, aber es ist definitiv ein prägendes Erlebnis, am Eckpfosten zu sitzen, mitten zwischen 12.500 Zuschauer, die lautstark ihre Mannschaft anfeuern. Dabei habe ich eines gelernt: Fußball ist Emotion. Pure Emotion. Und normalerweise gezielte Emotion. Direkt auf den Rasen, auf die Spieler – mit den anderen Fans zusammen. Diesen Emotionen ein Ziel zu geben ist wichtig, denn die dahinterstehende Kraft ist beeindruckend und darf nie in die ‚falschen Hände‘ geraten. Dafür sind wir alle, die Fans, die Spieler, die Vereine, die Ordner, die Polizisten und die Medien verantwortlich. Jeder für sich und alle zusammen.

Update 15.05.07: Artikel von Peter Poser in der OTZ “Nach dem Schlusspfiff Kein Burghausen”. St. Paul Fans solidarisieren sich mit Jena (Quelle).

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Banner der Fans: “Wer Polizeigewalt ignoriert, hat die pressefreiheit umfunktioniert! Gegen Medienhetze und Falschberichterstattung!!”

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    1. [...] Fußballfans sind keine Verbrecher, manchmal kreativ und manchmal pyromanisch. Wie diese drei Eigenschaften ziemlich nah beieinanderliegen, war im Jenaer Ernst-Abbe-Sportfeld zum DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Nürnberg zu sehen. Die „echten Fans“ der Südkurve haben gesammelt, gemalt, gebastelt und sich selbst verhüllt: [...]

    2. [...] in Italien die Rahmenbedingungen im Auge behalten. Was Berlusconi definitiv nicht gebrauchen kann, ist eine in irgendeiner Form unabhängige Presse. Wenn man sich anschaut, daß sein Wahlerfolg nicht [...]

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