Jens Mende

2. September 2010

Das Hauptgericht: Bela B.

Was braucht es, um über 3.000 Jenenser in Sekunden nass zu machen? Bela B. und einen sintflutartigen Regen. Die mit Schirm und Kapuze waren echt im Vorteil. Die Mädels aber in den weißen T-Shirts… Bis dahin aber sollten noch knapp zwei Stunden vergehen.

Bela B. in Jena. Laut. Live. Und in Hochform. Und 3.100 Besucher der KulturArena fanden den Auftritt des Ärzte-Masterminds am Donnerstagabend einfach nur geil. Es war quasi ein Heimspiel für den Meister, nachdem Lula mit ihrer Band im Vorspiel auf der Bühne regelrecht verhungerte.

Aber was Bela B. anfasst, gelingt. Selbst wenn es klingt wie das Arrangement einer Schülerband – Bela hat den Namen und die Masse jubelt. Dazu braucht er nichtmal seine Ärztekollegen Farin und Rodrigo – nee, das kann er ganz allein und da gehen die Arme der Besucher wie von selbst in die Höhe. Nur den rechten Arm mag Bela nicht so gern erhoben sehen. Bela, der erklärte Antifaschist, nutzt die Gelegenheit, auf die geplante Aktion der NPD am 18. August in unserer Stadt hinzuweisen und ruft zu Gegenmaßnahmen auf. Bela B. ist politisch und steht dazu.

Seine Musik ist – sorry, klar ist das Mainstream – aber wenn Mainstream so gut ist, dass selbst Briten und Amerikaner einen deutschen Bandnamen holprig – “Dei Aaaarzte” – aber voller Hochachtung aussprechen, dann sollten wir uns doch freuen, oder?

Bela ist auch cool genug, über sich selbst lachen zu können. Er weiß, er ist “der Teuerste hier auf der Bühne”. Und weil Geld keine Kalorien hat, isst Bela B. nur Geld. Der Mann weiß also, wie man auf die Linie achtet. Das Publikum verliert bei der verzückten Hüpferei auch so manche Kalorie. Das also ist das, was der Engländer als win-win-situation bezeichnet. Gut für alle also.

Und Bela kam gut vorbereitet nach Jena. Beispiel gefällig? “Wenn ich es mir aussuchen könnte, ob Erfurt oder Jena, ich würde nach Jena kommen. Die haben auch die bessere Fußballmannschaft!” Und 3.100 Zuschauer applaudieren. Klar doch, wenn es gegen Vieselbach geht, sind in Jena alle Blau-Gelb-Weiß…

Pünktlich zum Konzertende setzt dann der eingangs erwähnte Regen ein. Bela spielt trotzdem seine Zugaben und der harte Kern der Fans – die, die schon seit 17:00 Uhr den Arena-Eingang belagerten (“Wir woll’n den Bela seh’n!”) – nahmen den Regen eh’ nicht war. Bela kommentiert es mit Humor und stellt doppeldeutig fest: “Bela B. spielt in Jena und alle werden nass.”

Die Besucher mit Schirm und Kapuze waren klar im Vorteil. Die Mädels aber im weißen T-Shirt… sahen auch irgendwie richtig gut aus. Und über allem trohnte Bela B. Live. In Hochform. Laut. Und richtig gut.

Text: Jens Mende
Fotos: Markus Kämmerer/Happy Arts

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Die Vorspeise: Lula

KulturArena am Donnerstag: Der Theatervorplatz ist halbgefüllt, da tritt Bela B. auf die Bühne, um höchstpersönlich Lula, die Vorband des Abends, anzukündigen. Im fünften Song dann kommt der Meister als Duettpartner zurück, sehr zur Freude derer, die seit 17:00 Uhr den Einlass der KulturArena belagerten (“Wir woll’n den Bela seh’n!”).

Sollte sich noch jemand an das (West-) Berliner Projekt La Lora erinnern, das war Mitte der 80er Jahre, der hat zumindest eine leise Vorstellung, wie Musik von Lula klingt. Ein wenig Anleihe von Björk, manchmal klingt ein bisschen Philip Boa durch; das ganze gepowert von Bela B. – kann eigentlich nichts mehr schief gehen – oder?

Dass der Funke letztlich doch nicht wie gewünscht übersprang, lag wohl daran, dass das Publikum auf jemanden anderes wartete, als das, was da auf der Bühne zu sehen war – es war noch nie leicht, Vorband zu sein. Lula trägt’s mit Fassung. Die junge Frau singt mal englisch, singt mal deutsch und pfeift ansonsten auf alle Konventionen. Nach acht Songs hatte sie fertig und das Publikum freute sich auf das Hauptgericht des Abends.

Text: Jens Mende

Cyril Neville & Tribe 13 in der Jenaer KulturArena

Es fällt schwer, die Füße stillzuhalten, wenn man einer Überdosis Funk ausgesetzt ist. So erging es der übergroßen Mehrheit der Besucher der KulturArena am Mittwochabend. Das  Publikum zappelte, hüpfte, tanzte und applaudierte im Takt einer zutiefst ehrlichen und handgemachten Musik um die Legende des New-Orleans-Funk Cyril Neville und seiner Begleitband Tribe 13.

Da tummelte sich – wenigstens für die Kenner der Szene – Größe um Größe auf der Bühne. Zum Beispiel Slide-Guitar-Wizzard Papa Mali, der so virtuos sein Instrument beherrscht, dass er regelmäßig zu diversen Studioaufnahmen der einschlägigen Stars geladen wird. Zum Beispiel Gaynielle Neville alias Queen G, die als „die große weibliche Stimme New Orleans’“ bezeichnet wird – und wenn sie ihrer Stimme freien Lauf lässt, reißt sie innerhalb weniger Sekunden das Auditorium mit sich und erntet phrenetischen Beifall. Sie singt einen Aretha Franklin-Klassiker, und wenn man die Augen schließt, wähnt man das Orignal auf der Bühne. Zum Beispiel die Caesar Brothers Norman und Ricky an Drums und Keyboards – da sorgte jeder für sich und alle gemeinsam für New-Orleans-Feeling auf dem Theatervorplatz.

Vor allem aber ist es Cyril Neville, der den musikalischen Klebstoff liefert, der die Band stilistisch zusammenhält. Es ist eine Mischung aus ganz viel Funk, durchsetzt mit einer Brise Soul und das schmeckte den rund 1.200 Besuchern der KulturArena. Hinzu kommt, dass Neville durchaus Botschaften mit seinen Songs transportiert. So wies er deutlich auf siedlungspolitische und sicherheitstechnische Missstände in seiner Heimatstadt New Orleans hin, als viele andere noch dem Traum vom großen Schmelztigel nachhingen, der alle Probleme im Selbstlauf beseitigt.

Es fällt schwer, einen Abend in der KulturArena zu beschreiben, wenn doch die Füße partout nicht still halten wollen. Auch ich war am Mittwochabend dieser Überdosis Funk ausgesetzt.

Text: Jens Mende
Fotos: Markus Kämmerer/Happy Arts

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KulturArena: Silje Nergaard

Vor sechs Jahren stand Silje Nergaard bereits schon einmal auf der Bühne der Jenaer KulturArena. Unterhielt sie damals ihr Publikum noch mit Vocaljazz (auch das gibt’s!), bleibt für ihren Auftritt im Jahr 2007 festzustellen: Sie hat sich weiter entwickelt, keine Frage. In den jazzig-angehauchten Interpretationsstil der 40-jährigen Songwriterin aus Norwegen mischen sich Pop- und Folkstrukturen. Stellenweise klingt das nach Joan Baez, ein bisschen nach The Band und Robbie Robertson. „Es war Zeit für einen Wechsel und eine Erneuerung“, kommentiert sie schlicht die Stiländerung.

Silje Nergaard stellt ihr im April erschienenes Album „Darkness Out Of Blue“ (Amazon) vor, übrigens durchaus eine Kaufempfehlung. Sie beschreibt ihre neue CD mit den Worten: „Diesmal bin ich mehr in die Tiefe gegangen. Mag sein, dass es auch ernster als bisher klingt, aber eben auch vielseitiger. Zugleich ist es freudiger und hat mehr Energie.“ Diese Energie verströmt sie während ihres Gastspiels in Jena – mit sanfter Stimme intoniert sie  gefühlvoll ihre Songs und begeistert die 2.600 Zuschauer – bereitwillig folgen diese den Melodiebögen der Silje Nergaard, die alle zwölf Lieder des neuen Albums selbst komponierte. Mit sicherer Stimme erzählt sie von Liebe, nie aber vom kitschigen Herz-Schmerz-Ich habe Dich verloren.

Es folgt ein entspannter Abend bei lauen Temperaturen. Die sympathische Norwegerin moderiert in manchmal sehr lustigem Deutsch, und wo dieses versagt, bedient sie sich des englischen. Das Publikum lässt bei Wein und Cocktails die Woche ausklingen, untermalt von den Songs einer großartigen Silje Nergaard, die die Arena-Besucher wohl gern auch ein drittes Mal in Jena begrüßen würden.

Text: Jens Mende
Fotos: Markus Kämmerer/Happy Arts

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KulturArena: Bajofondo Tango Club

Stellen Sie sich vor, Sie gehen in bester Garderobe in die Oper, freuen sich auf, sagen wir  Mozarts „Entführung aus dem Serail“ und bekommen stattdessen zwei Stunden lang „Die Simpsons“ serviert. So ähnlich muss es einigen Besuchern der KulturArena am Donnerstagabend ergangen sein, denn das, was es da zu hören gab, war ziemlich abgefahren – elektronisch, ach was, hyperelektronisch kam daher, was man sonst aus Bars, – verraucht und knisternde Erotik in der Luft – am Rio de la Plata kannte. Der Tango, der erotischste aller Tänze, braucht doch eigentlich nur ein Klavier und ein Akkordeon, alternativ auch ein Bandoneon. Mehr nicht. Eigentlich…
Und dann belehrte der Bajofondo Tango Club, eine bunt zusammengemischte neunköpfige Band aus Argentinien und Uruguay, die Arena-Besucher eines besseren. Sampler, Videosequenzen, Gitarrensynthesizer, elektronische Drums, darüber Soundeffekte aus der Technoszene gelegt… Tja, und dann ging die Post ab. Zumindest für den Teil des Publikums, der sich mit dieser recht eigenwilligen Interpretation der Tangomusik arrangieren konnte. Der andere Teil, deutlich die Minderheit der 1.600 Besucher am Donnerstagabend, kam sich wohl vor, als hätte man sich in der Veranstaltung geirrt.

Der Ursprung dieses Projektes geht auf das Jahr 1997 zurück, als der Latin Rock Pionier und  Produzent Santaolalla die Plattenfirma SURCO gründete – ein Joint Venture mit Universal. Es war die erste regionale Latin Plattenfirma, die sich ausschließlich auf spanischsprachige, alternative Musik spezialisierte und so Heimat für Stars wie Molotov, Juanes, Orishas und viele andere wurde. Es reifte ein Konzept, aus dem 2002 die Bajofondo Tango Club Formation unter der Leitung von Gustavo Santaolalla und Juan Campodónico entstand. Dazu gehören einige der visionärsten und talentiertesten Musiker aus Uruguay und Argentinien.

Nach dem großen Erfolg des ersten Albums – Platin bereits kurz nach der Veröffentlichung und diverse Preise wie z.B. ein Latin Grammy in der Kategorie Best Pop Instrumental Album – wurde 2004 das zweite Album „Bajofondo Tango Club: presents Supervielle“ aufgenommen, bei dem der gleichnamige Klavierspieler Luciano Supervielle im Vordergrund steht. 2007 folgt das dritte Album, auf dem Gastmusiker wie etwa Nelly Furtado zu hören sind.

Sehr modern wirkt die Band bei ihrem Auftritt in Jena und das liegt wohl nicht nur an ihrem eingangs beschriebenen Bühnenequipment. Es liegt vor allem an der Interpretation des ach so klassischen Tangos: Der Bajofondo Tango Club entstaubt ihn, wirft alle Konventionen über Bord. Und wer in Jena genau hinhörte, konnte sogar einige Zeilen Rap heraushören. Der Schock für die Hardcore-Fraktion der Tangoliebhaber saß tief. Für alle anderen war es eine gänzlich neue Erfahrung: Der Tango ist im 21. Jahrhundert angekommen.

Besetzung:
Gustavo Santaolalla (Produzent und Gitarre, Oscarpreisträger 2006 in der Kategorie „Best Soundtrack“ mit dem  Film „Brokeback Mountain“), Juan Campodónico  (Produzent und DJ), Luciano Supervielle (Keyboards, DJ und Scratching), Javier Casalla (Violine), Martin Ferres (Bandoneon), Gabriel Casacuberta (Kontrabass), Veronica Loza (VJ und Vocals).

Text: Jens Mende
Fotos: Markus Kämmerer/Happy Arts

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Scala & Kolacny-Brothers in der KulturArena

Chormusik ist genial – vor allem, wenn es sich bei den vorgetragenen Werken nicht um jene zwar unbestritten voll Patina behaftete, inzwischen aber sattsam bekannten Stücke von Bach oder anderer Musik-Größen vergangener Jahrhunderte handelt. Chormusik muss auch nicht schwer und getragen daherkommen; die Stücke sollten auch bitte nicht mehr von schunkelnden, heile Welt besingenden Stars der Volksmusik interpretiert werden. Wobei jetzt nicht der Vergleich zu den Fischerchören herbeigezogen werden soll…

Chormusik ist genial – vor allem, wenn wie am Mittwochabend der Mädchenchor Scala gemeinsam mit den Kolacny-Brüdern internationale Hits auf sehr originelle Art interpretierte. Glockenhelle Stimmen mit Piano untermalt – das kam an beim Publikum und es spielte keine Rolle, ob es sich bei den vorgetragenen Songs um Werke von Abba, Placebo oder Mia handelte. Das Resultat der Zusammenarbeit der Kolacny-Brüder mit den Scala-Mädchen aus dem belgischen Aarschot ist nicht nur reines Covern eines erfolgreichen Musiktitels, es ist das übertragen, das Übersetzen der Musik in die Stimmung und Tonlage der 16-28jährigen Sängerinnen.

Für Steven Kolacny, der Scala gemeinsam mit seinem Bruder Stijn 1996 gegründet hat und für die Arrangements und die zumeist schlicht gehaltene Klavierbegleitung verantwortlich ist, liegt in der richtigen Songauswahl eines der Erfolgsgeheimnisse von Scala & Kolacny Brothers: „Es ist enorm wichtig, Musik zu finden, die zu Scala passt. Es muss ein Song sein, der mit der Umsetzung durch Scala einen weiteren musikalischen Sinn bekommt. Bei uns wird es außerdem immer eine Verbindung zur Alternative- und Popmusik geben, weil das die Musik ist, die wir und die Scala-Mädchen privat am liebsten hören.“

Die 2.500 Besucher der KulturArena fühlten sich gut unterhalten, und wenn die Redewendung stimmt, dass Applaus das Brot des Künstlers sei, dann müssen die Scala-Mädels und die Kolacny-Brüder nach dem Auftritt in Jena noch lange wach gelegen haben. Es schläft sich nicht gut mit einem so vollen Magen.

Text: Jens Mende

Calexico in der KulturArena

Bereits vor vier Jahren mischten die Desert-Rocker namens Calexico die Arena zum ersten Mal auf – mit Erfolg, denn die Band aus Tucson, Arizona, wurde auch für die Saison 2007 wieder nach Jena geholt. Artig bedankten sich die Jungs um Frontmann Joey Burns für die „Re-Invitation“ und ließen es dann ordentlich krachen.

Sowohl textlich als auch musikalisch ist die nahe gelegene Grenze zu Mexiko ein Leitmotiv Calexicos. Die Genre-Einflüsse reichen von TexMex, Folk- und Country-Rock, Mariachi und Gringo-Rock bis hin zu Latin Jazz. Inzwischen hat sich sogar ein eigener Stilbegriff für ihre Musik durchgesetzt: Tucson Desert Rock. Den 3.000 Zuschauern am Mittwochabend auf dem Theatervorplatz dürfte das egal gewesen sein, stand doch die Musik und nicht deren stilistische Einordnung im Vordergrund. Und was da von der Bühne kam, konnte sich unbedingt hören lassen.

Teils melancholisch, teils brachial, dann wieder mit Bläsern unterlegt, rockten Joey Burns (Gesang, Gitarre), John Convertino ( Schlagzeug), Jacob Valenzuela (Trompete), Paul Niehaus (Gitarre, Pedal Steel), Martin Wenk (Trompete, Vibraphon, Gitarre, Mundharmonika) und Volker Zander (Bass) sehr zum Gefallen des Publikums – jedoch in einer Lautstärke, dass die Songs der Band vermutlich noch in Rostock zu hören gewesen sein müssen…

Über die Musik Calexicos heißt es in einem Agentur-Text, sie ziehe die Zuhörer in einen magischen Bann. Dem kann man nur beipflichten. Der harte Kern der Fans feierte einen Meter vor der Bühne eine ganz eigene Party und kümmerte sich nicht um stilistische Streitereien oder gar um Dezibel. Wie sagte Joey Burns in einem Interview? „In Arizona muss man keine Drogen nehmen um high zu sein. Die psychedelische Aura ist in der Luft, in der Sonne und am Himmel.“ Und am Mittwochabend auch für 90 Minuten in der KulturArena.

Durchaus möglich, dass die Jungs wieder nach Jena kommen. Muss ja nicht erst in vier Jahren sein.

Text: Jens Mende
Fotos: Markus Kämmerer/Happy Arts

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McCoy Tyner in der KulturArena

Jena, Sonntagabend, brütende Hitze über der Stadt und im Zentrum der Glut die KulturArena mit dem McCoy Tyner Trio – Modern Jazz vom Feinsten war angesagt. Es swingte und jazzte und rockte und die vier Herren auf der Bühne sorgten bereits beim ersten Titel für so manch verzücktes Gesicht im Auditorium.

Zu recht, denn dem Publikum wurde viel geboten: Improvisation in Vollendung, meisterhafte Beherrschung der Instrumente, wie automatisiert zweiunddreißigstel Noten während eines beeindruckenden Solos am Flügel, Synkopen – Jazz-Liebhaber, was willst Du mehr? Zumal Mr. McCoy nicht irgendwer in seinem Genre ist: Der 69jährige Ausnahmemusiker veröffentlichte bislang nahezu 80 Alben und wurde mit vier Grammys ausgezeichnet.

Manchmal fühlte man sich wie in einem Kontrabass-Workshop, wenn der König der Bässe minutenlang improvisierte und dabei seinem ganz eigenen Takt folgte. Aber: Diese Musik hat Weite, trägt sich gleichsam selbst und benötigt dabei nur ganze vier Instrumente: Flügel, Schlagzeug, Saxophon und eben jenen Kontrabass. Der Rest war unbändige Spielfreude, die man den vier Akteuren auf der Bühne jederzeit anmerkte. Knapp 1.000 sachkundige Zuschauer wussten dies zu schätzen und zeigten sich dankbar ob des Augenblicks. Musik abseits des Mainstreams kann soviel Spaß machen, der Sonntagabend in der KulturArena war einmal mehr Beleg dafür.

Text: Jens Mende

Ein tierisches Vergnügen

Der Jenaer Philharmonie zuzuhören ist immer ein Vergnügen. Am Sonntagvormittag aber bereitete der Klangkörper unter der Leitung von Generalmusikdirektor Nicholas Milton seinen Zuhörern gar „ein tierisches Vergnügen“. So der Titel des Programms zum Auftakt der KinderArena. Und absolut kindgerecht, weil verständlich und nachvollziehbar, erzählte Patrick Rohbeck die Geschichte von Babar, dem kleinen Elefanten.

Den großen und kleinen Zuschauern bereitete die nach einer Erzählung von Jean de Brunhoff in der Orchesterfassung von Jean Françaix dargebrachte Geschichte viel Vergnügen: Zwar verliert Babar durch die Kugel eines Jägers seine Mama, findet aber nach wilder Flucht bei einer alten Dame ein neues, behütetes Zuhause. Später, inzwischen erwachsen und zurückgekehrt zu seinen Artgenossen, wird er gar zum Elefantenkönig gekrönt! Natürlich nimmt die Geschichte – wie beinahe jedes Märchen – ein gutes Ende und dies fand, urteilt man nach dem Applaus der Besucher, ungeteilte Zustimmung.

Im zweiten Teil der Vorstellung erzählte die Jenaer Philharmonie die Geschichte von Paddington Bärs erstem Konzert (Musik: Herbert Chappell). Und wieder gelang es dem Sprecher Patrick Rohbeck, die vor allem kleinen Besucher der KulturArena mit seiner Erzählweise gefangen zu nehmen; man spürte, wie sehr ihm diese Arbeit Freude bereitete.

Musikalisch gut umgesetzt, wird die abenteuerliche Reise des kleinen Bären vom fernen Peru über den Ozean nach Europa geschildert. Im Londoner Bahnhof Paddington finden ihn Herr und Frau Brown und geben ihm ein neues Zuhause. Ein aufregendes Leben beginnt nun für den Marmeladenbrote liebenden Bären! Eines Tages besucht er mit seinem neuen Freund Herr Gruber ein klassisches Konzert, verirrt sich und steht genau im Moment des Paukenschlags auf der Bühne…

Professionell und in gewohnt hoher Qualität wurde das Programm von der Jenaer Philharmonie umgesetzt und die kleinen und großen Besucher des Arenageländes fühlten sich bestens unterhalten – ein vielstimmiges und lautes „Jaaaaa!“ auf die Frage Patrick Rohbecks am Ende der Veranstaltung, ob es den Kindern gefallen habe, mag Beleg dafür sein. Einmal mehr wurde die Arena ihrem Anspruch gerecht, auch den jüngsten Besuchern gute Unterhaltung bieten zu wollen. Und nicht nur nebenbei: Die Kleinen sind die Arenabesucher von Morgen…

Text: Jens Mende

KulturArena: Demi Evans and the Hands

Was soll dabei herauskommen, wenn ein Ex-Model zum Mikrofon greift? Synthie-Pop der untersten Kategorie vermutlich, mit Tänzern drapiert, musikalische Einheitskost eben… Wenn es sich aber bei dem Ex-Model um Demi Evans handelt, die neben der Musik auch die Mode der Haut Couture auf den Laufstegen von Paris, Mailand und Los Angeles spazieren führte, kann der Besucher auf einen großartigen Abend gespannt sein und eben diesen Erwartungen wurde Demi Evans am Samstagabend in der Jenaer KulturArena vollends gerecht.

Sie bezieht die Besucher von Beginn an ein, fordert das Publikum zum Tanzen auf, später stürmen kleine Kinder die Bühne und Demi tanzt mit ihnen – das Publikum applaudiert ob soviel Spontaneität.

Diese Musik in Worte zu fassen ist nicht einfach: Genreübergreifend fließen Gospel, Blues, Southern Soul und Folk-Pop in die Songs der Demi Evans ein. Das klingt modern, ein bisschen wie Nina Simone, manchmal nachdenklich, auf jeden Fall aber tanzbar und macht Lust auf einen Abend zu zweit bei Kerzenschein.

Ihren Ausflug Mitte der Neunziger Jahre in die Techno-Szene – produziert wurde der Track damals von Sven Väth – hat man ihr verziehen. Jahre später wird Stevie Wonder auf sie aufmerksam, wird schließlich zu ihren ersten großen Mentor und Demi findet ihre musikalische Bestimmung im Soul und Blues.

Ein schwerer Autounfall in Monaco, dem eine längere Rekonvaleszenzphase folgte, mündete schließlich in eine dauerhafte Liaison mit Frankreich. Zunächst war Paco Sery, Schlagzeuger der späten Luther Allison Blues Band, Demis Wegbegleiter, bis sie Fred Morisset begegnete. Fortan arbeiten beide zusammen und das Ergebnis dieser Arbeit ist absolut hörenswert: Ihr Album „Why Do You Run“, veröffentlicht im Frühjahr 2006, platziert sich auf Anhieb in den einschlägigen Charts.

Dieser Erfolg ist nachvollziehbar für den, der Demi Evans auf der Bühne erlebt. Sie lässt das Publikum teilhaben an ihren Gedanken, spricht in einfachen Worten von ihren Gefühlen, ihren Hoffnungen und ist auf eine sehr angenehme Weise abendfüllend präsent und dabei doch bescheiden.

Was also hat man zu erwarten, wenn ein Ex-Model zum Mikrofon greift? Im Fall der Demi Evans einen weiteren großartigen Abend in der Jenaer KulturArena.

Text: Jens Mende

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