2006

18. May 2012

Netzkrümel vom 20. Dezember 2006

In der neue Rubrik „Netzkrümel“ werden ab sofort alle Textschnipsel gesammelt, die für einen eigenen Artikel zu kurz, aber zum Weglassen zu schade sind:

• Copernic hat die Version 2.02 seiner Desktop Suche herausgebracht. Die Toolbar funktioniert jetzt mit Firefox 2.0 und es gab Stabilitäts- und Performancefixes.

• Nero gibt es jetzt in Version 7.5.9.0a, allerdings nur in einigen Sprachen. Hier der deutsche Download.

• Die Website der Süddeutschen Zeitung hat ein neues Layout. Es ist sehr schlicht und hat den Charme eines auf eine Spalte zusammengeschrumpftem Zeitungslayout. Wenigstens sind die Bilder farbig. Weitere Kritik bei Netzausfall.

• Für das nächste Jahr benötige ich eine neue Buchhaltungssoftware. Vor langer Zeit hatte ich QuickBooks genutzt und war zufrieden damit. Allerdings war die Software zu sehr auf einfachste Bedienung optimiert und hat z.B. Vorsteuer und Umsatzsteuer auf ein einziges Konto gebucht, was eine unkomplizierte Ermittlung der Steuer beim Steuerberater verhinderte. Im Moment ist der Sage PC Kaufmann im Einsatz. Das Programm ist sehr leistungsfähig, aber nicht fehlerfrei und z.T. umständlich zu bedienen. Bei der Suche nach einer Alternative bin ich auf die Seite http://www.buchhaltungssoftware.in-research.info/ gestoßen. Dort gibt es eine ausführliche Liste der Funktionen und Kosten bekannter Buchhaltungssoftware.

WP-ShortStat ist in Version 1.12 erschienen. Die Datenbank benötigt jetzt nur noch etwa halb so viel Platz wie in der vorhergehenden Version.

• Wer einen Rechner mit viel RAM hat, aber langsamer Festplatte hat, kann über Systemsteuerung|System|Erweitert|System Leistung – Einstellungen|Erweitert|Speichernutzung|System Cache einstellen und beschleunigt damit das System merklich. Erst Windows Vista kann besser mit viel RAM umgehen.

• Das Nachtleben von Jena hat ein neues Internet-Portal: Jnights.de. Neben den obligatorischen Konzertkalender lebt die Seite vor allen von den vielen Bildern der Partys. Viel AJAX und eine angenehme Optik peppen die Seite auf. Eine ausführliche Kritik folgt.

Nuance entdeckt die Blogger und bietet ihnen ein Test ihrer Spracherkennungssoftware Drago Naturalspeaking 9 an.

• Laut Don Alphonso wurden alle Profile von StudiVZ vom Server gezogen und stehen für erste statistische Auswertungen bereit. Wer die Profile geholt hat und was damit passieren soll verriet Don noch nicht.

Buchkritk „Meinungsführer oder Populärmedium?“

spon_buch.jpgIst der Spiegel Online ein Meinungsführer oder ein Populärmedium? Diese Frage stellt sich Julia Bönisch in ihrem Buch.

Das erste Kapitel des Buches gibt einen Einblick in die Arbeit bei Spiegel Online. Allerlei wichtige und vor allem unwichtige Details aus dem Arbeitsleben der Spon Redakteure lesen sich flüssig und laden zum schmunzeln ein. Man gewinnt einen Einblick in die Arbeitsweisen der Redaktion und lernt die immense Bedeutung der Nachrichtenarchitekturen für Spon kennen. Der Vorteil der Aktualität der Seite wird mit einem enormen Zeitdruck auf die Journalisten erkauft. Dieser Druck führt dazu, das mitunter Informationen ungeprüft übernommen werden, nur um der erste zu sein. Die besondere Bedeutung der Rubrik Panorama wird ebenfalls ausführlich beleuchtet. Auch die Kritiker von Spiegel Online werden ausführlich gewürdigt. Insbesondere der Einblick in die Blogsphäre ist umfassend und gelungen.

Die nächsten drei Kapitel sind überschrieben mit „Kommunikationswissenschaftlicher Exkurs“ und beleuchten die Forschung der letzen Jahre in den klassischen Themen der Medien- und Kommunikationswissenschaft: Gatekeeper und Agenda-Setting. Für Journalisten oder Studenten der Medienwissenschaft ist wenig neues enthalten. Für alle anderen ist es eine gute Einführung in die Grundlagen und liefert theoretische Hintergründe, bringt jedoch die Beantwortung der Frage des Buches nur wenig weiter.

Der empirische Teil ist der dritte und letze Abschnitt des Buches. Frau Bönisch hat Ende 2004 sieben Leitfadeninterviews geführt und Journalisten aus verschiedenen Medienbereichen einen Online-Fragebogen vorgelegt, der 151 mal beantwortet wurde. Die Ergebnisse zeigen, das Spiegel Online extrem häufig genutzt wird (von 95% der Nachrichtenredakteure) und mittlerweile sogar bundesweit Themen vorgeben kann (meinten ca. 60% der Befragten). Der wirkliche Einfluss wird auch mit diesen Zahlen kaum zu zeigen sein. Interessant sind die Zitate, die einen guten Einblick in die Denkweise der Journalisten erlauben. Es ist zu spüren, das Bedeutung von Spiegel Online sehr hoch ist, aber dies nicht alle Journalisten so klar ausdrücken möchten.
Die Zahlen des Buches unterstreichen hauptsächlich das, was man zu diesem Thema erwartet. Spannender an dem Buch sind die vielen Zitate, welche die Vielzahl der Arbeitsweisen der Journalisten der unterschiedlichsten Medien zeigen. Das Buch lädt ein, den Spiegel Online von einer anderen Seite zu betrachten. Das ist gleichzeitig der größte Wert des Buches.
Weitere Kritiken bei Spiegelkritik, Netzausfall und Indiskretion Ehrensache.

“Meinungsführer oder Populärmedium? Das journalistische Profil von Spiegel Online?, Münster 2006, 192 Seiten, 12,90 Euro, ISBN 3825893790, Lit Verlag, hier bestellen.

Rückblick der Wirtschaftsjunioren Jena/Saale-Holzland

Seit Mitte des Jahres sind wir Mitglied bei den Jenaer Wirtschaftsjunioren und es hat sich schon gelohnt. Wir konnten erstmals umfangreiche Kontakte in die Jenaer Szene knüpfen und haben auch schon den ersten Auftrag erhalten: wir konzipieren und entwickeln ein umfangreiches Data Warehouse Projekt. Die Stärke der Wirtschaftsjunioren liegt eindeutig darin, dass die Mitglieder aus vielen verschiedenen Bereichen und Branchen stammen. Bei anderen Treffen sind meist nur die fachspezifisch interessierten anwesend, die nur über technische Details des immer gleichen Themas sprechen.

Hier folgt der Rückblick des alten Vorstands auf die vergangenen zwei Jahre:

wj-jena.jpg
Der Vorstand der Jahre 2004-2006 (v.l.): Kirsten Uhrlau, Michael Kunkel, Stefan Weiland, Oliver Schaarschmidt, Beatrice Postleb, Claudia Pauli

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Payback startet ein Corporate Blog

Das Bonusprogramm Payback startet sein eigenes Corporate Blog. Bevor das Blog der Öffentlichkeit präsentiert wird, wurden 112 Mitglieder der TRND Community für das Blog Roll-Out-Team bestimmt. Sie dürfen an der Entwicklung mitarbeiten und sollen Kritik und Feedback geben.

PAYBACK

Es ist für eine Firma ein mutiger Schritt, ein Corporate Blog aufzubauen. Ein solches Blog braucht regelmäßig neue Inhalte, soll unterhalten und informieren. Dabei darf es keine offensichtliche Werbung enthalten, aber soll die Firma trotzdem in einer positiven Umgebung präsentieren. Gleichzeit ist das Feedback von den Usern sehr viel direkter und offener, als es eine Firma normalerweise erlebt. Da Payback viele Daten sammelt, wird sicherlich der Datenschutz ein Thema werden. Durch die aktuellen Entwicklungen bei StudiVZ ist die Biosphäre besonders auf dieses Thema sensibilisiert.

StudiVZ Profile frei einsehbar

Daten sind wertvoll. Besonders, wenn man viele davon besitzt und diese von den Nutzern sogar selbst gepflegt werden. Das Studentenportal StudiVZ lebt von solchen Daten. Andere können jetzt auch davon leben.

Die Ursache ist einfach: Jeder angemeldete Benutzer von StudiVZ kann auf die Profile anderer zugreifen. Normalerweise muss sich dazu jeder Benutzer durch die Freundesliste hangeln oder durch die Suche neue Personen finden. Der Zugriff auf jedes Profil ist über eine frei einsehbare ID verknüpft. StudiVZ selbst beschreibt im Artikel „Sicherheitsbedenken sind unbegründet“, das diese IDs sicher sind und das erraten des Codes „viele Millionen Jahre“ benötigt. Auf Blogbar.de wurde gezeigt, wie aus eindeutigen Nummern die komplizierte ID errechnet wird. Nicht in Millionen Jahren, sondern mit dem Taschenrechner. Doch dieser Trick ist gar nicht nötig: Jedes der Profile ist einfach mit einer Zahl erreichbar. Es reicht, von 1 beginnend zu zählen und jeder kann sich die fremden Profile anschauen – in der Reihenfolge, wie sich die Benutzer registriert haben. Zwei der Gründer sind auch dabei: Dennis Bemmann hat die Nummer 4, Ehssan Dariani hat die Nummer 5.

Die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben sind beängstigend. Das ist keine Sicherheitslücke, sondern ein offenes Portal. Es sind weder Programmierkenntnisse noch besondere Fähigkeiten nötig, an diese Daten zu kommen. Die Eingabe einer URL reicht. Wer Zugriff auf ein Profil hat, erfährt von derjenigen Person allerhand persönliches: Passbild, Name, Alter, Studienort, Geschlecht, Wohnort, Beziehungsstatus, Interessen, Lieblingsfilme- und bücher, Arbeitsgeber, Position usw. Dieses umfangreiche Bild der Person kann jeder noch erweitern, in dem er sich die Liste der bestellten Gruppen, die Freundesliste und das Gästebuch anschaut.

Das ist alles noch nicht spannend, wenn man nur die Profile der Freunde kennt. Nach StudiVZ-Angaben sind mittlerweile über 1 Millionen Studenten angemeldet. Die Summe dieser Daten dürfte jedoch einiges Wert sein und die persönlichen Daten könnten für die entsprechenden Personen durchaus ein Problem werden, wenn sie in die falschen Hände geraten.

StudiVZ sollte umgehend diese schwere Sicherheitslücke beseitigen oder das Portal vom Netz nehmen. Auf blogbar.de wurde schon angekündigt, dass die Daten gezogen werden.

StudiVZ NeuanmeldungenWas theoretisch möglich wäre, wenn man ein paar Profile hat, zeigt die folgende Grafik mit fiktiven Werten der Anzahl der Neuanmeldungen pro Tag beim Start von StudiVZ. Mit allen oben genannten Daten wäre es möglich, viel persönlichere Dinge auszuwerten und mit fremden Datenbanken zu verknüpfen.

In diesem Artikel sind absichtlich keine weiteren Direktlinks auf mögliche Verfahren gesetzt, um einen möglichen Missbrauch nicht zu unterstützen. Siehe auch den Artikel zur Zukunft von StudiVZ. Einen sachlichen Überblick über die Thematik von StudiVZ liefert auch der Artikel von Falk Lüke.

Die Zukunft von StudiVZ

Die Liste der Skandale und Probleme von StudiVZ ist lang (Zensur, Zensur, Performance, ungeschickte PR, Plagiatvorwürfe, Party-Einladung, Videos eines der Gründer, Kritik an den Arbeitsbedigungen, Eine Sicherheitslücke, Stalking, Weitere Sicherheitsbedenken). So lang, dass es bis in die Top-Liste der Blog-Skandale gereicht hat. Ausführliche Berichte standen auch im Spiegel online („Peinliche Pannen bringen StudiVZ in Verruf“ und „Sex-Stalker im Studentennetz“). Der Heise Newsticker berichtet regelmäßig über StudiVZ (Datenleck beim StudiVZ?, Weiter Wirbel um StudiVZ und StudiVZ unter Beschuss). Gestern wurde von einer neuen Lücke berichtet, die das Einsehen und Ändern aller fremden Profile ermöglichte.

Hervorragende Zusammenfassungen gibt es im Kasi-Blog und bei Falk Lüke.

Das kommentarlose Abschalten der Server gestern und die Kommunikation darüber waren vorerst der Höhepunkt. Don Alphonso hat jedoch weitere „Kugeln im Magazin“ angekündigt

Es ist jedoch ein guter Zeitpunkt, einen Blick nach vorn zu richten. Was kann sich StudiVZ (wenn überhaupt) noch retten?

Kommunikation. Eine offene und ehrliche Kommunikation ist absolute Voraussetzung, um auf Dauer wieder etwas Vertrauen aufbauen zu können. Eine Community lebt vom Vertrauen und StudiVZ ist nur so viel Wert, wie seine Community. Die Kommunikation darf nicht nur Reaktion sein. Ehssan Dariani hat sich erst entschuldigt, als der Druck von außen zu groß wurde. Anstatt auf klare Sicherheitslücken mit der Beseitigung der selbigen zu antworten, werden diese abgewiegelt („Sicherheitsbedenken sind unbegründet“). Wenn Dienst für viele Stunden ohne einen Hinweis auf die Grüne einfach abgeschaltet wird, reicht es nicht, darauf mit „Alles wird gut“ zu antworten. Wenn dann die Gefahren für die Daten der Community komplett unerwähnt bleiben, zeigt das nur, dass der Datenschutz immer noch nicht den Stellenwert hat, den er haben muss. Wenn auf konkrete, nachweisbare Vorwürfe nur ausweichend oder gar nicht reagiert wird, ist das eine Ignoranz, die auf Dauer nicht gut tun wird.

Datenschutz. In einer Community wie StudiVZ geben die Nutzer eine große Menge privater Daten frei. Umso wichtiger ist der bestmögliche Schutz der Privatsphäre der Nutzer. Wenn ein Datenschutzbeauftragter benannt wird, ist das ein Schritt in die richtige Richtung, aber geht komplett nach hinten los, wenn keine Konsequenzen folgen. Die richtige Konsequenz wäre der sofortige Einsatz mehrere fähiger Leute, die sich ausschließlich um dieses Thema kümmern. Da die bis jetzt bekannten Sicherheitslücken simpelste handwerkliche Fehler waren, dürfte eine große Aufgabe vor StudiVZ stehen. Die heute veröffentlichte Lücke wurde zwar innerhalb kurzer Zeit beseitigt – eine Information an die Nutzer von StudiVZ gab es hierzu jedoch bis jetzt nicht.

Performance. Die Geschwindigkeit ist genau genommen nur ein Komfortmerkmal, allerdings ein selbstverständliches. Mangelnder Datenschutz interessiert wohl leider nur einen kleinen Anteil der Studenten, die Reaktionsgeschwindigkeit bemerkt jedoch jeder. Sollte sich die Situation nicht nachhaltig bessern, dürfte eine zunehmende Nutzerzahl entnervt aufgeben. Um eine dauerhafte Beschleunigung des Systems zu erreichen, ist jedoch viel Geld und Erfahrung sowie eine passende Plattform nötig. Alle drei Punkte sind jedoch gar nicht oder nur wenig vorhanden bzw. erfüllt. Zusammen mit dem Datenschutz steht StudiVZ hier vor einer großen Aufgabe, die wohl am besten mit einer Neuentwicklung auf einer passenden Plattform zu lösen wäre. Dies ist jedoch illusorisch, deshalb werden sich beide Probleme nur langfristig lösen lassen. Mit allen negativen Konsequenzen für die User und StudiVZ.

Support der Community. Selbst wenn die Punkte Datenschutz und Performance erledigt sind, können solche Probleme wie mit den 700 Stalkern immer wieder auftreten. Eine Kontrolle der Community ist nötig. Diese sollte sowohl durch sich selbst als durch StudiVZ erfolgen, welches dafür nötige Kommunikationselemente und Features bereitstellen kann. Besonders aktive Nutzer sollten moderieren und administrieren können und somit einen Teil der Verantwortung übernehmen. Eine offizielle Stelle sollte leicht erreichbar sein und sich potentieller Probleme zeitnah annehmen. Ein Identifikations- und Reputationsmanagement würde viele Gefahren im Vorhinein verhindern. Beispielsweise wäre es möglich, dass sich angemeldete Benutzer mit einer Kopie des Studentenausweises identifizieren und erst danach den vollen Zugriff auf die Plattform erhalten (und dann z.B. öffentlichen Gruppen anlegen können).

Mashup. Kaum eine Community im Web 2.0 wird dauerhaft Bestand haben, wenn sie sich nicht mit anderen erfolgreichen Communities vernetzt. Anknüpfungspunkte gibt es viele. Bilder können mit Flickr, Videos mit YouTube verlinkt werden. Wenn der Student ins Berufsleben wechselt, könnte sein Profil mit OpenBC, sorry, Xing verlinkt werden. Der Werdegang als Schüler befindet sich möglicherweise in einem der vielen Schülerportale. Die Möglichkeiten und Gefahren des DataMinings sollten allerdings nicht unterschätzt werden, schließlich könnte man automatisiert einen kompletten Lebenslauf aus diesen Daten entwickeln. Weitere Integrationsmöglichkeiten bestehen für mobile Endgeräte (Handy, PDA) und externe Terminverwaltung sowie SMS (z.B. Geburtstagserinnerunen usw.)

Business-Modell. In der nahen Zukunft muss StudiVZ selbst Geld verdienen. Vermutlich wird Werbung geschaltet. Hier besteht wieder die Gefahr, den Datenschutz zu vernachlässigen. Google AdSense dürfte auf allen Seiten, die privates enthalten zum Beispiel aus Gründen des Datenschutzes wegfallen. Wie die Nutzer die Werbung annehmen wird sich zeigen.

Unternehmenskultur. Die Unternehmenskultur war bis jetzt vom reinen Gründerfieber geprägt. Das Verantwortungsgefühl ist leider nicht mit dem Unternehmen mitgewachsen. StudiVZ sollte das Gefühl eines jungen, dynamischen Unternehmens vermitteln, welches jedoch auch eine Vertrauenswürdigkeit ausstrahlt. Letzteres ist bis jetzt ist das nicht gelungen. Hier ist ein radikaler Umbruch nötig.

Mit Bloggern sprechen. Die Bedeutung der Blogger an der Enthüllung der aktuellen Skandale ist unverkennbar. Um das Image wieder aufzubessern ist eine Zusammenarbeit mit den Bloggern absolut entscheidend. Klassische Medien berichten nur selten, wenn alles positiv verläuft. Blogger hingegen berichten auch über positive Seiten und können damit wieder Vertrauen erzeugen. Wie die aktuelle Kampagne zeigt, können die Blogger den Ruf eines Unternehmens nachhaltig schädigen – solange die Kritik gerechtfertigt ist. Ein Unternehmen, welches von einer Comunity lebt, sollte die Macht der Blogger nie unterschätzen.

Expansion ins Ausland verschieben. StudiVZ expandiert gerade nach Polen, Italien, Spanien und Frankreich. Das sind zweifelsfrei wichtige Märkte, die baldmöglichst erobert werden müssen. Solange aber die grundlegendsten Abläufe des Unternehmens im Heimatland nicht funktionieren, ist eine Expansion ins Ausland gefährlich. Außer dem (schlechten) Ruf und einer instabilen Plattform bringt man nicht viel mit und hat damit wenige Chancen. Zusätzlich werden im Inland dringend benötigte Ressourcen (Gelder, Entwickler und Support) abgezogen.

Um StudiVZ auf den richtigen Weg zu bringen, sind harte Konsequenzen aus den vergangenen Ereignissen nötig. Mit ein paar Absichtserklärungen wird es nicht getan sein. Die Gründer, mindestens jedoch Ehssan Dariani, sollten sich aus dem operativen Geschäft zurückziehen und erfahrene Profis in diesem Bereich heranlassen. Ebenso wäre mindestens ein Datenschutzbeauftragter und ein Pressesprecher nötig, die Erfahrung und Vertrauen aus ihren früheren Aufgaben mitbringen und diese auf StudiVZ transportieren können. Erfahrene Softwareentwickler sollten schnellstmöglich potentielle Sicherheitslöcher erkennen und beseitigen. Ein klares, abgestuftes Konzept der Rechte- und Zugriffsverwaltung sollte entwickelt, kommuniziert und vor allem auch umgesetzt werden. Eine brauchbare Kriesen-PR hilft den Ruf zu retten, wenn doch einmal etwas schief geht. All diese Forderungen wären Selbstverständlichkeiten für ein klassisches Unternehmen. Sie sollten auch für Web 2.0 Unternehmen eine Selbstverständlichkeit sein.

Themenabend „Marketing in Theorie und Praxis“ in Jena

WJ EinladungDie Wirtschaftsjunioren Jena laden zum Themenabend des Arbeitskreises Existenzgründung und Unternehmensnachfolge zum Thema „Marketing in Theorie und Praxis“ ein:

Mittwoch, 29.11.2006 um 19.30 Uhr im Hotel Esplanade (Goethegalerie).

Um Anmeldung unter s.wagner@mvolution.de wird gebeten.

Endlich erwachsen

Franzi und Markus am 18. Geburtstag

Test: Kopfhörer für MP3-Player

10 Jahre hat mir der KOSS KSC35 die Stille vertrieben – jetzt ist es wieder still. Einige Operationen mit Lötkolben und Heißkleber hatten sein Leben verlängert, doch jetzt rettete ihn auch eine letzte Notoperation nicht mehr. Es gilt, einen würdigen Nachfolger zu finden.

Die Rezensionen der Käufer bei Amazon.de bieten einen guten Anhaltspunkt bei der Auswahl eines neuen Kopfhörers. Für mich kamen drei Produkte in die engere Wahl. Sie bekamen eine Chance, die Stille zu vertreiben.

Der KOSS KSC 35 ist in Deutschland nicht mehr erhältlich. Mit ähnlicher Optik und sehr günstigem Preis ist jedoch der KOSS KSC 75 verfügbar. Eine weitere Alternative mit einem Kopfbügel statt der Ohrklemmen ist der KOSS Porta Pro. Die technischen Daten aller drei Modelle sind identisch.

KOSS KSC 75Die offene Konstruktion des KSC 75 hat Vor- und Nachteile. Die Umgebungsgeräusche werden nicht komplett eliminiert, so dass ich nicht jedes Mal erschrecke, wenn plötzlich jemand hinter mir auftaucht. Andererseits kann sich – je nach Lautstärke – die ganze Umgebung einen Eindruck von meinem Musikgeschmack machen. Durch die Bügel werden die Muscheln gut am Ohr gehalten. Unter einem Fahrrad- oder Motorradhelm lassen sie sich KOSS nicht gut tragen – abgesehen davon ist es zu Recht verboten, also bitte nicht ausprobieren! Meine Freundin findet, das ich furchtbar aussehe, wenn ich ‚die Dinger’ trage. Die große Membran sieht vielleicht nicht gut aus, aber sorgt dafür, dass der KOSS ein eindrucksvolles Bassfundament liefert. Die Bässe des aktuellen Modells sind noch etwas knackiger und druckvoller, als die meines alten KOSS und für meinen Geschmack deutlich überbetont. Die Mitten und Höhen klingen weniger betont. Es fehlt die Differenzierungsfähigkeit in der Musik, die teurere Kopfhörer bieten. Bei aller Kritik: Der KOSS klingt besser als 90% der bei den MP3-Playern mitgelieferten Ohrstöpsel. Für 20 € finden sich kaum bessere Schallwandler. Wer allerdings einen linearen Frequenzgang erwartet oder Klassik höhren möchte, sollte tiefer in die Tasche greifen. Liebhabern satter Bässe geht mit den KOSS ein Ohr auf.

In-Ear-Kopfhörer arbeiten mit einem anderen Konstruktionsprinzip. Sie sitzen nicht wie normale Kopfhörer direkt auf der Ohrmuschel oder wie die meisten mitgelieferten Modelle am Rand des Gehörgangs, sondern gehen je nach Ausführung tief in den Gehörgang hinein und schließen diesen im Idealfall nach außen hin komplett ab. Die Umgebung verschwindet dadurch komplett aus der Wahrnehmung. Beim Fahrradfahren hört man mit diesem Modell gerade noch die Sirene der Polizei, wenn sie neben einem fährt. Und gleich noch eine Warnung: da der Schall nahezu direkt auf das Trommelfall geleitet wird, ist es ohne weiteres möglich, das eigene Gehör dauerhaft zu schädigen. Das geht schneller, als die meisten denken und für viele ist es wohl schon zu spät (Rettung für alle anderen gibt es im SonicShop http://www.sonicshop.de/De/index.htm). Für ein geschultes und geschontes Gehör jedoch öffnen sich neue Klangwelten.

Creative EP 630Leider verwehrt mir der zweite getestete Kopfhörer die erwarteten neuen Klangwelten. Der Creative EP 630 Ohrhörer wird auf Amazon über jede Schallwelle gelobt und enttäuscht umso mehr. Ray Wilson klingt ab sofort wie eine der unzähligen quäkenden Deutschpopsängerinnen und selbst die Oma-kompatible Stimme von Chris de Burgh schmerzt im Ohr, als würde Michelle Hunziker persönlich in selbiges flüstern. Die Mitten zu betonen, hilft der Sprachverständlichkeit und allen Gehörgeschädigten, die schon etwas mehr Druck in diesem Bereich brauchen. Doch hier ist es eindeutig zu viel des Guten und selbst mit einem EQ nicht mehr zu reparieren. Die Bässe sind abhängig von der Position der Stöpsel im Ohr kaum vorhanden oder gerade noch ausreichend. Im oberen Frequenzbereich klingt er brauchbar, so wie man es bei einem Ohrhörer für über 30 € auch erwarten kann. Insgesamt eine sehr enttäuschende Vorstellung.

Sony MDR-EX 90Eigentlich hatte ich nicht geplant, mehr als 30 € für einen Ohrhörer auszugeben. Der Versuchung, ein etwas teureres Modell zu bestellen, konnte ich nicht widerstehen und habe den Sony MDR-EX 90 getestet – und behalten. Er spielt in einer ganz anderen Liga. Das merkt man nicht nur am Preis von ca. 75 €, sondern vor allem beim Klang. Die Grundkonstruktion besteht aus zwei Teilen: ein Teil ragt mit einem auswechselbaren Gummistöpsel in den Gehörgang hinein und schließt diesen nach außen ab. Die Membran selbst befindet sich außerhalb des Gehörgangs und ist mit einem Durchmesser von 13,5mm größer als bei ähnlichen Modellen. Die Bässe sind sehr präzise, angenehm druckvoll, aber nicht extrem hart. Durch die Wahl der Position im Ohr und die Größe der Gummistöpsel lässt sich der Klang der Bässe deutlich beeinflussen. Im direkten Vergleich liefert der KOSS das größere Bassfundament, der Sony klingt jedoch bei tiefen Frequenzen wesentlich sauberer. Auch die anderen Frequenzbereiche werden sehr fein differenziert wiedergegeben. Diese Detailauflösung wird von keinem anderen Ohrhörer bis zu dieser Preisklasse auch nur annähernd erreicht. Damit spielt er seine Stärken besonders bei anspruchsvoller Musik und hochwertigen Aufnahmen voll aus. Selbst bei einigen Arch Enemy Alben, die leider nicht gut aufgenommen und gemischt sind, öffnen sich Details in der Musik, die vorher einfach im Einheitsbrei der Geräuschkulisse untergegangen sind.

Shure E2cAlle, die einen hohen Anspruch an die Qualität ihrer mobilen HiFi-Anlage haben und die der Kaufpreis nicht abschreckt erhalten hier eine ordentliche Alternative zu den normalen Chinabrüllstöpseln, die den Geräten meistens beiliegen. Im Gespräch über diesen Test lobten einige Rockmusiker den Shure E2c. Dieser liegt im gleichen Preisbereich wie der Sony und besitzt eine ähnliche Bauform. Einen Test werde ich nachreichen, sobald ein Testexemplar zur Verfügung steht.

Fazit: Der Kauf von Ohrhörern ist eine sehr subjektive Angelegenheit. Jeder hat andere Vorlieben und hört andere Musik. Deshalb ist es schwierig, eine allgemeine Empfehlung zu geben. Bei den In-Ear-Modellen ist der Sitz im Gehörgang für einen Großteil der wahrgenommenen Qualität verantwortlich. Hier hilft nur ausprobieren. Die beiden Ohrhörer, die ich nicht behalten habe, hat Amazon ohne Probleme zurückgenommen und sogar den Versand bezahlt, da der Warenwert insgesamt über 40 € lag. Optimal wäre ein Fachhändler, bei dem man verschiedene Modelle im direkten Vergleich testen kann. Leider ist mir in Jena kein Händler bekannt, der eine ausreichende Anzahl höherwertige Modelle auf Lager hat und diese vor dem Kauf testen lässt.

Der Amoklauf und politischer Aktionismus

Der Amoklauf in Emsdetten beschäftigt die Medien und Gemüter. Wie nach jeder Gewalttat beginnt unter den Politikern der pure Aktionismus. Jeder hat etwas zu sagen und kann seinen ‚ultimativen‘ Vorschlag schneller umsetzen. Besonders beliebt sind Vorschläge, die vermeintlich wirksam sind, kaum Geld kosten und die eigene Wählerschaft nicht verärgern. Deshalb ist auch der alleskommentierende Herr Stoiber (CSU) sofort zur Stelle und fordert ein komplettes Verbot der Killerspiele. Dass die meisten Experten und sogar viele Politiker der Opposition diese Lösung für wenig hilfreich erachten, interessiert dabei nicht. Im Gegensatz zur Diskussion nach dem Amoklauf in Erfurt ist die Reaktion auf diesen Aktionismus in den Medien jedoch deutlich kritischer. Entscheidend ist nur, dass auf den Diskurs auch entsprechende Taten folgen.

Das Verbot der Killerspiele wird wohl kaum Wirkung zeigen. Es geht schon damit los, dass ein solches Verbot in der Praxis kaum durchsetzbar ist. Wer ein solches Spiel haben will, bekommt es auch. Der Aufwand ist gering; spezielles Wissen wird nicht benötigt. Ein Verbot könnte sogar in das Gegenteil umschlagen: verbotene Dinge sind potentiell interessant. Zu klären wäre die Frage, was dann die friedlichen Menschen machen, die sich mit solchen Spielen nur ‚abreagieren‘. Gehen diese dann alle zum Fußball oder ballern sie dann im realen Leben statt auf dem PC? Es gibt hunderte Möglichkeiten, sich anders zu beschäftigen und es ist ausgeschlossen, alle Möglichkeiten, die eine potentielle Gefahr darstellen, zu verbieten. Der Wunsch, dass sogar die Provider den Netzinhalt zensieren sollen, darf allenfalls als verdeckten Einstieg in die komplette Überwachung gesehen werden.

Wenn ein Verbot der Killerspiele keine Lösung ist, was sollen wir dann tun? Die Frage ist so einfach, wie die Lösung komplex ist. Einen Anhaltspunkt liefern die Spuren, die der Amokläufer im Netz hinterlassen hat. Sie reichen Jahre zurück und zeigen, welche Probleme dieser Mensch hatte und wie er mit ihnen umgegangen ist. Das diese Spuren in den letzten Stunden nach und nach aus dem Web gelöscht werden, ist unverständlich. Aus der Geschichte lernt man nicht, in dem man sie löscht. Im Web geht jedoch nichts wirklich verloren (hier, hier und hier) und so sammelt diese Seite alle Hintergrundinformationen zum Amoklauf.