2006 November

7. February 2012

StudiVZ Profile frei einsehbar

Daten sind wertvoll. Besonders, wenn man viele davon besitzt und diese von den Nutzern sogar selbst gepflegt werden. Das Studentenportal StudiVZ lebt von solchen Daten. Andere können jetzt auch davon leben.

Die Ursache ist einfach: Jeder angemeldete Benutzer von StudiVZ kann auf die Profile anderer zugreifen. Normalerweise muss sich dazu jeder Benutzer durch die Freundesliste hangeln oder durch die Suche neue Personen finden. Der Zugriff auf jedes Profil ist über eine frei einsehbare ID verknüpft. StudiVZ selbst beschreibt im Artikel „Sicherheitsbedenken sind unbegründet“, das diese IDs sicher sind und das erraten des Codes „viele Millionen Jahre“ benötigt. Auf Blogbar.de wurde gezeigt, wie aus eindeutigen Nummern die komplizierte ID errechnet wird. Nicht in Millionen Jahren, sondern mit dem Taschenrechner. Doch dieser Trick ist gar nicht nötig: Jedes der Profile ist einfach mit einer Zahl erreichbar. Es reicht, von 1 beginnend zu zählen und jeder kann sich die fremden Profile anschauen – in der Reihenfolge, wie sich die Benutzer registriert haben. Zwei der Gründer sind auch dabei: Dennis Bemmann hat die Nummer 4, Ehssan Dariani hat die Nummer 5.

Die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben sind beängstigend. Das ist keine Sicherheitslücke, sondern ein offenes Portal. Es sind weder Programmierkenntnisse noch besondere Fähigkeiten nötig, an diese Daten zu kommen. Die Eingabe einer URL reicht. Wer Zugriff auf ein Profil hat, erfährt von derjenigen Person allerhand persönliches: Passbild, Name, Alter, Studienort, Geschlecht, Wohnort, Beziehungsstatus, Interessen, Lieblingsfilme- und bücher, Arbeitsgeber, Position usw. Dieses umfangreiche Bild der Person kann jeder noch erweitern, in dem er sich die Liste der bestellten Gruppen, die Freundesliste und das Gästebuch anschaut.

Das ist alles noch nicht spannend, wenn man nur die Profile der Freunde kennt. Nach StudiVZ-Angaben sind mittlerweile über 1 Millionen Studenten angemeldet. Die Summe dieser Daten dürfte jedoch einiges Wert sein und die persönlichen Daten könnten für die entsprechenden Personen durchaus ein Problem werden, wenn sie in die falschen Hände geraten.

StudiVZ sollte umgehend diese schwere Sicherheitslücke beseitigen oder das Portal vom Netz nehmen. Auf blogbar.de wurde schon angekündigt, dass die Daten gezogen werden.

StudiVZ NeuanmeldungenWas theoretisch möglich wäre, wenn man ein paar Profile hat, zeigt die folgende Grafik mit fiktiven Werten der Anzahl der Neuanmeldungen pro Tag beim Start von StudiVZ. Mit allen oben genannten Daten wäre es möglich, viel persönlichere Dinge auszuwerten und mit fremden Datenbanken zu verknüpfen.

In diesem Artikel sind absichtlich keine weiteren Direktlinks auf mögliche Verfahren gesetzt, um einen möglichen Missbrauch nicht zu unterstützen. Siehe auch den Artikel zur Zukunft von StudiVZ. Einen sachlichen Überblick über die Thematik von StudiVZ liefert auch der Artikel von Falk Lüke.

Die Zukunft von StudiVZ

Die Liste der Skandale und Probleme von StudiVZ ist lang (Zensur, Zensur, Performance, ungeschickte PR, Plagiatvorwürfe, Party-Einladung, Videos eines der Gründer, Kritik an den Arbeitsbedigungen, Eine Sicherheitslücke, Stalking, Weitere Sicherheitsbedenken). So lang, dass es bis in die Top-Liste der Blog-Skandale gereicht hat. Ausführliche Berichte standen auch im Spiegel online („Peinliche Pannen bringen StudiVZ in Verruf“ und „Sex-Stalker im Studentennetz“). Der Heise Newsticker berichtet regelmäßig über StudiVZ (Datenleck beim StudiVZ?, Weiter Wirbel um StudiVZ und StudiVZ unter Beschuss). Gestern wurde von einer neuen Lücke berichtet, die das Einsehen und Ändern aller fremden Profile ermöglichte.

Hervorragende Zusammenfassungen gibt es im Kasi-Blog und bei Falk Lüke.

Das kommentarlose Abschalten der Server gestern und die Kommunikation darüber waren vorerst der Höhepunkt. Don Alphonso hat jedoch weitere „Kugeln im Magazin“ angekündigt

Es ist jedoch ein guter Zeitpunkt, einen Blick nach vorn zu richten. Was kann sich StudiVZ (wenn überhaupt) noch retten?

Kommunikation. Eine offene und ehrliche Kommunikation ist absolute Voraussetzung, um auf Dauer wieder etwas Vertrauen aufbauen zu können. Eine Community lebt vom Vertrauen und StudiVZ ist nur so viel Wert, wie seine Community. Die Kommunikation darf nicht nur Reaktion sein. Ehssan Dariani hat sich erst entschuldigt, als der Druck von außen zu groß wurde. Anstatt auf klare Sicherheitslücken mit der Beseitigung der selbigen zu antworten, werden diese abgewiegelt („Sicherheitsbedenken sind unbegründet“). Wenn Dienst für viele Stunden ohne einen Hinweis auf die Grüne einfach abgeschaltet wird, reicht es nicht, darauf mit „Alles wird gut“ zu antworten. Wenn dann die Gefahren für die Daten der Community komplett unerwähnt bleiben, zeigt das nur, dass der Datenschutz immer noch nicht den Stellenwert hat, den er haben muss. Wenn auf konkrete, nachweisbare Vorwürfe nur ausweichend oder gar nicht reagiert wird, ist das eine Ignoranz, die auf Dauer nicht gut tun wird.

Datenschutz. In einer Community wie StudiVZ geben die Nutzer eine große Menge privater Daten frei. Umso wichtiger ist der bestmögliche Schutz der Privatsphäre der Nutzer. Wenn ein Datenschutzbeauftragter benannt wird, ist das ein Schritt in die richtige Richtung, aber geht komplett nach hinten los, wenn keine Konsequenzen folgen. Die richtige Konsequenz wäre der sofortige Einsatz mehrere fähiger Leute, die sich ausschließlich um dieses Thema kümmern. Da die bis jetzt bekannten Sicherheitslücken simpelste handwerkliche Fehler waren, dürfte eine große Aufgabe vor StudiVZ stehen. Die heute veröffentlichte Lücke wurde zwar innerhalb kurzer Zeit beseitigt – eine Information an die Nutzer von StudiVZ gab es hierzu jedoch bis jetzt nicht.

Performance. Die Geschwindigkeit ist genau genommen nur ein Komfortmerkmal, allerdings ein selbstverständliches. Mangelnder Datenschutz interessiert wohl leider nur einen kleinen Anteil der Studenten, die Reaktionsgeschwindigkeit bemerkt jedoch jeder. Sollte sich die Situation nicht nachhaltig bessern, dürfte eine zunehmende Nutzerzahl entnervt aufgeben. Um eine dauerhafte Beschleunigung des Systems zu erreichen, ist jedoch viel Geld und Erfahrung sowie eine passende Plattform nötig. Alle drei Punkte sind jedoch gar nicht oder nur wenig vorhanden bzw. erfüllt. Zusammen mit dem Datenschutz steht StudiVZ hier vor einer großen Aufgabe, die wohl am besten mit einer Neuentwicklung auf einer passenden Plattform zu lösen wäre. Dies ist jedoch illusorisch, deshalb werden sich beide Probleme nur langfristig lösen lassen. Mit allen negativen Konsequenzen für die User und StudiVZ.

Support der Community. Selbst wenn die Punkte Datenschutz und Performance erledigt sind, können solche Probleme wie mit den 700 Stalkern immer wieder auftreten. Eine Kontrolle der Community ist nötig. Diese sollte sowohl durch sich selbst als durch StudiVZ erfolgen, welches dafür nötige Kommunikationselemente und Features bereitstellen kann. Besonders aktive Nutzer sollten moderieren und administrieren können und somit einen Teil der Verantwortung übernehmen. Eine offizielle Stelle sollte leicht erreichbar sein und sich potentieller Probleme zeitnah annehmen. Ein Identifikations- und Reputationsmanagement würde viele Gefahren im Vorhinein verhindern. Beispielsweise wäre es möglich, dass sich angemeldete Benutzer mit einer Kopie des Studentenausweises identifizieren und erst danach den vollen Zugriff auf die Plattform erhalten (und dann z.B. öffentlichen Gruppen anlegen können).

Mashup. Kaum eine Community im Web 2.0 wird dauerhaft Bestand haben, wenn sie sich nicht mit anderen erfolgreichen Communities vernetzt. Anknüpfungspunkte gibt es viele. Bilder können mit Flickr, Videos mit YouTube verlinkt werden. Wenn der Student ins Berufsleben wechselt, könnte sein Profil mit OpenBC, sorry, Xing verlinkt werden. Der Werdegang als Schüler befindet sich möglicherweise in einem der vielen Schülerportale. Die Möglichkeiten und Gefahren des DataMinings sollten allerdings nicht unterschätzt werden, schließlich könnte man automatisiert einen kompletten Lebenslauf aus diesen Daten entwickeln. Weitere Integrationsmöglichkeiten bestehen für mobile Endgeräte (Handy, PDA) und externe Terminverwaltung sowie SMS (z.B. Geburtstagserinnerunen usw.)

Business-Modell. In der nahen Zukunft muss StudiVZ selbst Geld verdienen. Vermutlich wird Werbung geschaltet. Hier besteht wieder die Gefahr, den Datenschutz zu vernachlässigen. Google AdSense dürfte auf allen Seiten, die privates enthalten zum Beispiel aus Gründen des Datenschutzes wegfallen. Wie die Nutzer die Werbung annehmen wird sich zeigen.

Unternehmenskultur. Die Unternehmenskultur war bis jetzt vom reinen Gründerfieber geprägt. Das Verantwortungsgefühl ist leider nicht mit dem Unternehmen mitgewachsen. StudiVZ sollte das Gefühl eines jungen, dynamischen Unternehmens vermitteln, welches jedoch auch eine Vertrauenswürdigkeit ausstrahlt. Letzteres ist bis jetzt ist das nicht gelungen. Hier ist ein radikaler Umbruch nötig.

Mit Bloggern sprechen. Die Bedeutung der Blogger an der Enthüllung der aktuellen Skandale ist unverkennbar. Um das Image wieder aufzubessern ist eine Zusammenarbeit mit den Bloggern absolut entscheidend. Klassische Medien berichten nur selten, wenn alles positiv verläuft. Blogger hingegen berichten auch über positive Seiten und können damit wieder Vertrauen erzeugen. Wie die aktuelle Kampagne zeigt, können die Blogger den Ruf eines Unternehmens nachhaltig schädigen – solange die Kritik gerechtfertigt ist. Ein Unternehmen, welches von einer Comunity lebt, sollte die Macht der Blogger nie unterschätzen.

Expansion ins Ausland verschieben. StudiVZ expandiert gerade nach Polen, Italien, Spanien und Frankreich. Das sind zweifelsfrei wichtige Märkte, die baldmöglichst erobert werden müssen. Solange aber die grundlegendsten Abläufe des Unternehmens im Heimatland nicht funktionieren, ist eine Expansion ins Ausland gefährlich. Außer dem (schlechten) Ruf und einer instabilen Plattform bringt man nicht viel mit und hat damit wenige Chancen. Zusätzlich werden im Inland dringend benötigte Ressourcen (Gelder, Entwickler und Support) abgezogen.

Um StudiVZ auf den richtigen Weg zu bringen, sind harte Konsequenzen aus den vergangenen Ereignissen nötig. Mit ein paar Absichtserklärungen wird es nicht getan sein. Die Gründer, mindestens jedoch Ehssan Dariani, sollten sich aus dem operativen Geschäft zurückziehen und erfahrene Profis in diesem Bereich heranlassen. Ebenso wäre mindestens ein Datenschutzbeauftragter und ein Pressesprecher nötig, die Erfahrung und Vertrauen aus ihren früheren Aufgaben mitbringen und diese auf StudiVZ transportieren können. Erfahrene Softwareentwickler sollten schnellstmöglich potentielle Sicherheitslöcher erkennen und beseitigen. Ein klares, abgestuftes Konzept der Rechte- und Zugriffsverwaltung sollte entwickelt, kommuniziert und vor allem auch umgesetzt werden. Eine brauchbare Kriesen-PR hilft den Ruf zu retten, wenn doch einmal etwas schief geht. All diese Forderungen wären Selbstverständlichkeiten für ein klassisches Unternehmen. Sie sollten auch für Web 2.0 Unternehmen eine Selbstverständlichkeit sein.

Themenabend „Marketing in Theorie und Praxis“ in Jena

WJ EinladungDie Wirtschaftsjunioren Jena laden zum Themenabend des Arbeitskreises Existenzgründung und Unternehmensnachfolge zum Thema „Marketing in Theorie und Praxis“ ein:

Mittwoch, 29.11.2006 um 19.30 Uhr im Hotel Esplanade (Goethegalerie).

Um Anmeldung unter s.wagner@mvolution.de wird gebeten.

Endlich erwachsen

Franzi und Markus am 18. Geburtstag

Test: Kopfhörer für MP3-Player

10 Jahre hat mir der KOSS KSC35 die Stille vertrieben – jetzt ist es wieder still. Einige Operationen mit Lötkolben und Heißkleber hatten sein Leben verlängert, doch jetzt rettete ihn auch eine letzte Notoperation nicht mehr. Es gilt, einen würdigen Nachfolger zu finden.

Die Rezensionen der Käufer bei Amazon.de bieten einen guten Anhaltspunkt bei der Auswahl eines neuen Kopfhörers. Für mich kamen drei Produkte in die engere Wahl. Sie bekamen eine Chance, die Stille zu vertreiben.

Der KOSS KSC 35 ist in Deutschland nicht mehr erhältlich. Mit ähnlicher Optik und sehr günstigem Preis ist jedoch der KOSS KSC 75 verfügbar. Eine weitere Alternative mit einem Kopfbügel statt der Ohrklemmen ist der KOSS Porta Pro. Die technischen Daten aller drei Modelle sind identisch.

KOSS KSC 75Die offene Konstruktion des KSC 75 hat Vor- und Nachteile. Die Umgebungsgeräusche werden nicht komplett eliminiert, so dass ich nicht jedes Mal erschrecke, wenn plötzlich jemand hinter mir auftaucht. Andererseits kann sich – je nach Lautstärke – die ganze Umgebung einen Eindruck von meinem Musikgeschmack machen. Durch die Bügel werden die Muscheln gut am Ohr gehalten. Unter einem Fahrrad- oder Motorradhelm lassen sie sich KOSS nicht gut tragen – abgesehen davon ist es zu Recht verboten, also bitte nicht ausprobieren! Meine Freundin findet, das ich furchtbar aussehe, wenn ich ‚die Dinger’ trage. Die große Membran sieht vielleicht nicht gut aus, aber sorgt dafür, dass der KOSS ein eindrucksvolles Bassfundament liefert. Die Bässe des aktuellen Modells sind noch etwas knackiger und druckvoller, als die meines alten KOSS und für meinen Geschmack deutlich überbetont. Die Mitten und Höhen klingen weniger betont. Es fehlt die Differenzierungsfähigkeit in der Musik, die teurere Kopfhörer bieten. Bei aller Kritik: Der KOSS klingt besser als 90% der bei den MP3-Playern mitgelieferten Ohrstöpsel. Für 20 € finden sich kaum bessere Schallwandler. Wer allerdings einen linearen Frequenzgang erwartet oder Klassik höhren möchte, sollte tiefer in die Tasche greifen. Liebhabern satter Bässe geht mit den KOSS ein Ohr auf.

In-Ear-Kopfhörer arbeiten mit einem anderen Konstruktionsprinzip. Sie sitzen nicht wie normale Kopfhörer direkt auf der Ohrmuschel oder wie die meisten mitgelieferten Modelle am Rand des Gehörgangs, sondern gehen je nach Ausführung tief in den Gehörgang hinein und schließen diesen im Idealfall nach außen hin komplett ab. Die Umgebung verschwindet dadurch komplett aus der Wahrnehmung. Beim Fahrradfahren hört man mit diesem Modell gerade noch die Sirene der Polizei, wenn sie neben einem fährt. Und gleich noch eine Warnung: da der Schall nahezu direkt auf das Trommelfall geleitet wird, ist es ohne weiteres möglich, das eigene Gehör dauerhaft zu schädigen. Das geht schneller, als die meisten denken und für viele ist es wohl schon zu spät (Rettung für alle anderen gibt es im SonicShop http://www.sonicshop.de/De/index.htm). Für ein geschultes und geschontes Gehör jedoch öffnen sich neue Klangwelten.

Creative EP 630Leider verwehrt mir der zweite getestete Kopfhörer die erwarteten neuen Klangwelten. Der Creative EP 630 Ohrhörer wird auf Amazon über jede Schallwelle gelobt und enttäuscht umso mehr. Ray Wilson klingt ab sofort wie eine der unzähligen quäkenden Deutschpopsängerinnen und selbst die Oma-kompatible Stimme von Chris de Burgh schmerzt im Ohr, als würde Michelle Hunziker persönlich in selbiges flüstern. Die Mitten zu betonen, hilft der Sprachverständlichkeit und allen Gehörgeschädigten, die schon etwas mehr Druck in diesem Bereich brauchen. Doch hier ist es eindeutig zu viel des Guten und selbst mit einem EQ nicht mehr zu reparieren. Die Bässe sind abhängig von der Position der Stöpsel im Ohr kaum vorhanden oder gerade noch ausreichend. Im oberen Frequenzbereich klingt er brauchbar, so wie man es bei einem Ohrhörer für über 30 € auch erwarten kann. Insgesamt eine sehr enttäuschende Vorstellung.

Sony MDR-EX 90Eigentlich hatte ich nicht geplant, mehr als 30 € für einen Ohrhörer auszugeben. Der Versuchung, ein etwas teureres Modell zu bestellen, konnte ich nicht widerstehen und habe den Sony MDR-EX 90 getestet – und behalten. Er spielt in einer ganz anderen Liga. Das merkt man nicht nur am Preis von ca. 75 €, sondern vor allem beim Klang. Die Grundkonstruktion besteht aus zwei Teilen: ein Teil ragt mit einem auswechselbaren Gummistöpsel in den Gehörgang hinein und schließt diesen nach außen ab. Die Membran selbst befindet sich außerhalb des Gehörgangs und ist mit einem Durchmesser von 13,5mm größer als bei ähnlichen Modellen. Die Bässe sind sehr präzise, angenehm druckvoll, aber nicht extrem hart. Durch die Wahl der Position im Ohr und die Größe der Gummistöpsel lässt sich der Klang der Bässe deutlich beeinflussen. Im direkten Vergleich liefert der KOSS das größere Bassfundament, der Sony klingt jedoch bei tiefen Frequenzen wesentlich sauberer. Auch die anderen Frequenzbereiche werden sehr fein differenziert wiedergegeben. Diese Detailauflösung wird von keinem anderen Ohrhörer bis zu dieser Preisklasse auch nur annähernd erreicht. Damit spielt er seine Stärken besonders bei anspruchsvoller Musik und hochwertigen Aufnahmen voll aus. Selbst bei einigen Arch Enemy Alben, die leider nicht gut aufgenommen und gemischt sind, öffnen sich Details in der Musik, die vorher einfach im Einheitsbrei der Geräuschkulisse untergegangen sind.

Shure E2cAlle, die einen hohen Anspruch an die Qualität ihrer mobilen HiFi-Anlage haben und die der Kaufpreis nicht abschreckt erhalten hier eine ordentliche Alternative zu den normalen Chinabrüllstöpseln, die den Geräten meistens beiliegen. Im Gespräch über diesen Test lobten einige Rockmusiker den Shure E2c. Dieser liegt im gleichen Preisbereich wie der Sony und besitzt eine ähnliche Bauform. Einen Test werde ich nachreichen, sobald ein Testexemplar zur Verfügung steht.

Fazit: Der Kauf von Ohrhörern ist eine sehr subjektive Angelegenheit. Jeder hat andere Vorlieben und hört andere Musik. Deshalb ist es schwierig, eine allgemeine Empfehlung zu geben. Bei den In-Ear-Modellen ist der Sitz im Gehörgang für einen Großteil der wahrgenommenen Qualität verantwortlich. Hier hilft nur ausprobieren. Die beiden Ohrhörer, die ich nicht behalten habe, hat Amazon ohne Probleme zurückgenommen und sogar den Versand bezahlt, da der Warenwert insgesamt über 40 € lag. Optimal wäre ein Fachhändler, bei dem man verschiedene Modelle im direkten Vergleich testen kann. Leider ist mir in Jena kein Händler bekannt, der eine ausreichende Anzahl höherwertige Modelle auf Lager hat und diese vor dem Kauf testen lässt.

Der Amoklauf und politischer Aktionismus

Der Amoklauf in Emsdetten beschäftigt die Medien und Gemüter. Wie nach jeder Gewalttat beginnt unter den Politikern der pure Aktionismus. Jeder hat etwas zu sagen und kann seinen ‚ultimativen‘ Vorschlag schneller umsetzen. Besonders beliebt sind Vorschläge, die vermeintlich wirksam sind, kaum Geld kosten und die eigene Wählerschaft nicht verärgern. Deshalb ist auch der alleskommentierende Herr Stoiber (CSU) sofort zur Stelle und fordert ein komplettes Verbot der Killerspiele. Dass die meisten Experten und sogar viele Politiker der Opposition diese Lösung für wenig hilfreich erachten, interessiert dabei nicht. Im Gegensatz zur Diskussion nach dem Amoklauf in Erfurt ist die Reaktion auf diesen Aktionismus in den Medien jedoch deutlich kritischer. Entscheidend ist nur, dass auf den Diskurs auch entsprechende Taten folgen.

Das Verbot der Killerspiele wird wohl kaum Wirkung zeigen. Es geht schon damit los, dass ein solches Verbot in der Praxis kaum durchsetzbar ist. Wer ein solches Spiel haben will, bekommt es auch. Der Aufwand ist gering; spezielles Wissen wird nicht benötigt. Ein Verbot könnte sogar in das Gegenteil umschlagen: verbotene Dinge sind potentiell interessant. Zu klären wäre die Frage, was dann die friedlichen Menschen machen, die sich mit solchen Spielen nur ‚abreagieren‘. Gehen diese dann alle zum Fußball oder ballern sie dann im realen Leben statt auf dem PC? Es gibt hunderte Möglichkeiten, sich anders zu beschäftigen und es ist ausgeschlossen, alle Möglichkeiten, die eine potentielle Gefahr darstellen, zu verbieten. Der Wunsch, dass sogar die Provider den Netzinhalt zensieren sollen, darf allenfalls als verdeckten Einstieg in die komplette Überwachung gesehen werden.

Wenn ein Verbot der Killerspiele keine Lösung ist, was sollen wir dann tun? Die Frage ist so einfach, wie die Lösung komplex ist. Einen Anhaltspunkt liefern die Spuren, die der Amokläufer im Netz hinterlassen hat. Sie reichen Jahre zurück und zeigen, welche Probleme dieser Mensch hatte und wie er mit ihnen umgegangen ist. Das diese Spuren in den letzten Stunden nach und nach aus dem Web gelöscht werden, ist unverständlich. Aus der Geschichte lernt man nicht, in dem man sie löscht. Im Web geht jedoch nichts wirklich verloren (hier, hier und hier) und so sammelt diese Seite alle Hintergrundinformationen zum Amoklauf.

MaxData Port-Replikator für 600 IW und 6100 IW

MaxData Port ReplikatorDer Port-Replikator (139 €) für die MaxData Notebooks 600 IW und 6100 IW bietet viele Anschlussmöglichkeiten. Unter anderem ist ein VGA-Ausgang vorhanden, den es am Notebook nicht gibt. Damit können theoretisch maximal drei Displays (intern, DVI und VGA) gleichzeitig angesteuert werden. Die interne Grafikkarte unterstützt jedoch nur zwei Ausgänge gleichzeitig. Leider schaltet der Port-Replikator den DVI-Ausgang des Notebooks ab, sobald er angeschlossen ist. Ich konnte keine Möglichkeit finden, dieses Verhalten zu verhindern und den DVI-Ausgang weiter zu nutzen. Damit ist der Port-Replikator für mich komplett unbrauchbar. MaxData hat ihn wieder zurückgenommen und den Kaufpreis gutgeschrieben. Wie sich die Dockingstation (239 €) für das Notebook 8100 IWS in diesem Punkt verhält, wird getestet, sobald diese lieferbar ist.

Beitrag über die Thüringer Blogzentrale in der TLZ

Wenn das klassische Medium lokale Tageszeitung über Weblogs berichtet, dann ist dies ein großer Schritt in die richtige Richtung. So geschehen in dem Artikel in der Thüringer Landeszeitung. Wenn jedoch der Artikel inhaltlich so einseitig ist, dann ist offensichtlich, dass noch ein langer Weg vor dem Verständnis von Weblogs und den Möglichkeiten der neuen Medien liegt.

Meik aus Erfurt schreibt über Computerprogramme und seinen Wellensittich, Christina alias littlesirius berichtet über Chorauftritte und Herbstausflüge. Michael präsentiert als “Schwarzer Monolith�? tiefsinnige Zitate und denkt zwischendurch über die Brückentagskonstellationen des nächsten Jahres nach. Alle diese Themen treffen neuerdings auf http://www.thueringerblogzentrale.de zusammen.

Christina heißt Christine und hat noch nie in der Thüringer Blogzentrale veröffentlicht. Die Artikel über den Chorauftritt und den Herbstausflug stehen in ihrem privaten Weblog. Nur die Links zu den Thüringer Weblogs von Meik, Christine und Michael befinden in der TBZ – die Themen und Aufgabe sind jedoch ganz andere. Die Homepage beschreibt sie wie folgt:

Außerdem soll ein Informationspool für Nachrichten, Reportagen, Bilder, Filme, Podcasts, Kritiken, Glossen, Veranstaltungstipps usw., die sich mit Thüringen, Jena, Weimar, Erfurt, Gera usw. auseinandersetzen, geschaffen werden, der dem, hauptsächlich an regionalen Informationen interessierten Leser, eine konzentrierte Alternative zu herkömmlichen Medien bietet – ohne die fruchtbare Zusammenarbeit mit ihnen von vornherein auszuschließen.

Die TLZ fasst dies in folgendem Satz zusammen …

Garniert ist das Blog mit aktuellen Videoschnipseln und Fotos aus der Region.

… und wird damit den Möglichkeiten eines regionalen Weblogs keineswegs gerecht, sondern ignoriert sie schlechtweg. Ob diese Einschätzung aus Unwissenheit entsteht oder die lokalen Zeitungen lieber nicht über den Journalismus der unabhängigen Webblogger berichten ist dabei zweitrangig. Eine Anfrage beim Autor des Artikels, Karsten Heuke, blieb bis jetzt unbeantwortet.

Ein Beispiel aus der Praxis: Frau Glasser von der TLZ war ebenso wie die TBZ am 18. Oktober um 10 Uhr zum Verkehrssicherheitstag auf dem Marktplatz in Jena. Kaum zwei Stunden später standen die ersten Artikel (hier und hier) im Netz. Kurze Zeit später folgte ein Video. Die TLZ lieferte einen Artikel mit Bild und Hintergrundinformationen, jedoch erst am nächsten Morgen.

Die Stärken eines regionalen Weblogs für den Lokaljournalismus beschreibt auch dieser Artikel in der TBZ.

Dass eine lokale Tageszeitung um das Thema Weblogs nicht mehr herumkommt, zeigt dieser Artikel. Gleichzeitig ist er jedoch eine verpasste Chance, auf Synergien zwischen der klassischen Journalismus und Weblogs hinzuweisen und diese zu fördern. Dazu ist ein Dialog nötig.

Zweiter WebMonday in Jena war gut besucht

Gestern fand der zweite WebMonday in Jena statt. Mit über 60 anwesenden Gästen war die Veranstaltung weiterhin sehr gut besucht. Folgende vier Kurzvorträge wurden gehalten. Die Folien werden auf der Wiki-Seite des WebMontag zur Verfügung stehen.

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hg4x8632.jpgProf. Stein aus Weimar informierte über die aktuellen Projekte seines Lehrstuhls zum Thema Web und insbesondere der Thematik Information Retrieval und knüpfte damit an den Vortag des ersten WebMonday an. Der aktuelle Stand der Forschung zeigt, in welche Richtung sich das Web in den nächsten Jahren entwickeln könnte.

hg4x8639.jpgMatthias Leonhardt von Happy Arts hielt den ersten Vortrag einer ganzen Vortragsreihe über .NET. Ziel war es, die technischen Grundlagen für weitere Vorträge zu diesem Thema zu erarbeiten. Die nächsten Vorträge werden sich um Themen wie ASP.NET und dem AJAX-Framework handeln.

hg4x8647.jpgDer Vortrag von Ryan Orrock befasste sich mit dem Thema Lokalisierung und Übersetzung im Web. Er zeigte, dass eine Lokalisierung mehr ist, als das reine Übersetzen der einzelnen Strings.

hg4x8653.jpgKarsten Schmidt sprach über erfolgreiches Networking mit openBC/XING. Die Möglichkeiten und Bedeutung des Networking werden offenbar weiterhin von vielen unterschätzt. Karsten Schmidt bewies Gespür für die entscheidenden Details, als er uns zwei Visitenkartenboxen- und Mappen zeigte, die sich besonders gut für das Networking eignen.

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Etwa jeder dritte Anwesende hat selbst ein Weblog. So wurde der WebMonday zu einem kleinen Bloggertreffen. (v.l. JaBB (Subnetmask), Sapere Aude (Sven, TBZ), Sven (Podcaster), Christine (Littlesirius),
JoJo (Beetlebum), Gonzo)

Weitere Bilder befinden sich in der Happy Arts Galerie. Sie dürfen mit Namensnennung für private Zwecke frei verwendet werden.

Account bei StudiVZ gelöscht

Meinen Account bei StudiVZ habe ich gelöscht. Der Grund sind die neusten Erkenntnisse von DonAlphonso über StudiVZ. Es sind längst nicht mehr nur ein paar Peinlichkeiten des StudiVZ Gründers Ehssan Dariani, sondern ein Skandal. Vielleicht ist es die erste deutsche Web 2.0 Blase, die auf diese Art zerplatzt – den Verkaufspreis von StudiVZ wird es sicherlich beeinflussen.

Ein weiterer Grund sind die “Datenschutzbestimmungen”. Im folgenden Ausschnitt aus den AGB ist zu entnehmen, wie ernst man es mit dem Datenschutz meint:

StudiVZ behält sich vor, diese Datenschutzbestimmungen jederzeit zu ändern, wenn Änderungen aufgrund von nachträglich erkannten Regelungslücken oder im Hinblick auf neue von StudiVZ bereitgestellte Dienste erforderlich werden.

Unter diesen Umständen kann ich auf das Kontaktnetzwerk StudiVZ gern verzichten. Ich bin weiterhin unter OpenBC erreichbar.