2007 Mai

7. February 2012

Wir sind Jena!

Der FC Carl Zeiss Jena hat es gerade noch geschafft: mit seinem 2:1 Sieg gegen den FC Augsburg ist der Platz in der 2. Bundesliga für die nächste Saison gesichert.

Impressionen aus dem F-Haus in Jena:

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Herzschlagfinale in Jena erleben

Alle reden von einem Herzschlagfinale und einer Stadt namens Augsburg, als ob es keine andere Stadt mehr gäbe. Schuld ist der Sport: unsere lokale Balltretermannschaft FC Carl Zeiss Jena kämpft um den Verbleib in der 2. Bundesliga und damit nicht nur um fast fünf Millionen Euro Einnahmen für die nächste Spielsaison und die Rasenheizung für das neue Stadion, sondern für die Ehre und Ruhm für unser kleines Städtchen Jena.

Dieses Ereignis nimmt am Sonntag um 14 Uhr seinen Lauf. Die echten Fans sind natürlich persönlich in Augsburg: „jeder der laufen kann und mit unseren FCC bangt sollte in Augsburg sein!!!“ steht im Forum. Die Bahn setzt für die Rückfahrt sogar einen Sonderzug ein. Es werden mittlerweile 6000 Jenaer in Augsburg erwartet.

Für alle unechten Fans und solche, die nicht mehr laufen können bleibt nur der heimische oder der städtische Fernseher übrig. Leider hat Arena sich für viel Geld die Fernsehrechte gesichert und treibt die Jenaer jetzt in folgende Bars und Kneipen:

Gaststätte Hexe, NAUMBURGER STR. 110, 07743 JENA

Irish Pub, BACHSTR. 39, 07743 JENA

Marktkeller, WEIGELSTR. 7, 07743 JENA

Cheers, JOHANNISPLATZ 9, 07743 JENA

Marktmühle, SAALSTR. 23, 07743 JENA

Jembo-Park Jena, RUDOLSTÄDTER STR. 93, 07745 JENA

Simis Bistro und Partyservice, KEßLERSTR. 12, 07745 JENA

Jenaer Fanprojekt

Das F-Haus verrät es zwar nicht in seinem Programm auf der Homepage, aber auf Plakaten in der Stadt: ab 13.30 Uhr wird dort das Finale ebenfalls übertragen. Wenn sie diesmal im Gegensatz zu letzen Sonntag den Sender finden…

Die Chance, das Event auf dem Frühlingsmarkt oder dem Faulloch in Jena zu zeigen hat die Stadt leider verpasst. Der Ort wäre ideal und es wäre wieder etwas WM-Fieber aufgekommen.

Dann kann fast nichts mehr schief gehen. Das Freud und Leid der Fans werde ich mit der Kamera dokumentieren und hier berichten.

FC Carl Zeiss Jena gegen 1. FC Kaiserslautern

Die gute Nachricht ist: Jena hat nicht verloren. Die schlechte Nachricht: Jena hat auch nicht gewonnen. Das Ergebnis: alles ist offen. Vier Mannschaften stehen jetzt mit 35 Punkten um den Abstiegsplatz herum und nächste Woche wird das letze und (mal wieder) alles entscheidende Spiel der Saison laufen. Die Hälfte der Mannschaften wird gleich zwei Ligen absteigen, die anderen bleiben in der zweiten Bundesliga. Die Zeit der Zahlenakrobaten ist jetzt endgültig gekommen, aber die Ergebnisse der letzten Wochen zeigen, das mit allem zu Rechnen ist, aber gut rechnen nicht hilft, sondern nur noch gut spielen die Mannschaft rettet. Trotzdem: wer nächste Woche verliert, steigt ab. Zumindest rein rechnerisch.

Für Jena werden nächste Woche Roland Maul (5. Gelb) und Mikheil Ashvetia (Rot heute im Spiel) fehlen, denn beide sind gesperrt. Dafür wurden heute die „Ziege“-Rufe der Fans belohnt und Torsten Ziegner durfte noch fünf Minuten den Rasen pflügen, konnte aber in dieser Zeit auch keinen Gewinn mehr herbeizaubern.

Podcast (Download) Pressekonferenz nach dem Spiel:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Weitere Bilder gibt es in der Happy Arts Galerie. Siehe auch den Bericht über Fußballfans sind keine Verbrecher …

Linktipps: Prognose für die 2. Bundesliga von Xocca und interaktiver Was-Wäre-Wenn-Rechner auf Sport1.de

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Fußballfans sind keine Verbrecher …

… skandierten die Fans zu Beginn des heutigen Spiels minutenlang in Jena (Video von Tobias Stepper auf YouTube, weiteres Video auf myvideo.de, weitere Videos zum Download) und erklären das nicht etwa den Politikern, sondern diesmal den Medien. Auslöser sind die Ereignisse am Schluss des Fußballspiels Burghausen gegen FC Carl Zeiss Jena letzte Woche in Burghausen.

Den vielen (weitestgehend übereinstimmenden) Augenzeugenberichten zu Folge war der eigentliche Auslöser ein Ordner, der einen Fan, welcher zum Spielende auf den Zaun geklettert war, von dort gewaltsam herunterholte. Der Ordner soll schon während des Spieles als aggressiv aufgefallen sein. Es wurde berichtet, dass danach eine Gruppe von 20 Polizisten und Ordnern im Gästeblock mit Pfefferspray und Schlagstöcken gegen die Fans vorgegangen ist. Das extrem harte und unnötige Eingreifen wurde von vielen Seiten, insbesondere aber den Fans auf das schärfste verurteilt.

Ergebnis der Schlacht waren über 20 verletze Jenaer (8 wurden im Krankenhaus behandelt, 2 erst am nächsten Tag entlassen), 4 verletzte Polizisten, ein verletzter Ordner und ein tiefer Graben zwischen Fans und Ordnern sowie der Polizei. Für alle Seiten ist das eine denkbar schlechte Bilanz.

An der schlechten Bilanz haben jedoch auch die Medien ihren Anteil. Insbesondere die Live-Berichterstattung des DSF wurde als einseitig und reißerisch verurteilt. In den Medienberichten wurde von Glasflaschen und sogar Metallteilen gesprochen, welche die Fans geworfen haben sollen. Die Kontrollen zum Gästeblock waren jedoch nach Aussage der Fans so gründlich, dass es gar nicht möglich war, Glasflaschen mit in den Block zu nehmen. Die weiteren Berichte sind ebenso einseitig: der Kicker berichtet von Randalen und die Bayrische Polizei hat auch ihre Sicht der Dinge. Ein Lob gilt hier der MDR Sportberichterstattung: Als eine der wenigen Medien haben sie auf die deutliche Diskrepanz der Berichte hingewiesen und lassen beide Seiten zu Wort kommen. So sollte Berichterstattung eigentlich immer aussehen – aber im Fußball sind die Feinbilder schon lange geklärt und die Medien brauchen Feindbilder zum überleben.

Der Verein FC Carl Zeiss Jena hat zu den Ereignissen eine offizielle Stellungnahme veröffentlicht, die das „aus unserer Sicht völlig überzogen und das rücksichtslose Vorgehen einiger Polizeibeamter“ aufs schärfste kritisiert. Ein wichtiger und mutiger Schritt. Der Schaden für alle wird jedoch bleiben.

Nachwort:

Vor kaum einem halben Jahr war ich das erste mal in einem Fußballstadion. Heute war da achte Spiel für mich. Das ist kein großer Erfahrungsschatz, aber es ist definitiv ein prägendes Erlebnis, am Eckpfosten zu sitzen, mitten zwischen 12.500 Zuschauer, die lautstark ihre Mannschaft anfeuern. Dabei habe ich eines gelernt: Fußball ist Emotion. Pure Emotion. Und normalerweise gezielte Emotion. Direkt auf den Rasen, auf die Spieler – mit den anderen Fans zusammen. Diesen Emotionen ein Ziel zu geben ist wichtig, denn die dahinterstehende Kraft ist beeindruckend und darf nie in die ‚falschen Hände‘ geraten. Dafür sind wir alle, die Fans, die Spieler, die Vereine, die Ordner, die Polizisten und die Medien verantwortlich. Jeder für sich und alle zusammen.

Update 15.05.07: Artikel von Peter Poser in der OTZ “Nach dem Schlusspfiff Kein Burghausen”. St. Paul Fans solidarisieren sich mit Jena (Quelle).

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Banner der Fans: “Wer Polizeigewalt ignoriert, hat die pressefreiheit umfunktioniert! Gegen Medienhetze und Falschberichterstattung!!”

Wunschlotto, Awanda und accumio, ein Erfahrungsbericht

Hinweis für Betroffene: Bitte alle Artikel zum Thema lesen. Die meisten Fragen sind in diesen Artikel und den dazugehörigen Kommentaren beantwortet.

Es begab sich zu den Zeiten, als meine multimediale Neugierde für fast alles im Internet offen war. So auch für Wunschlotto.de, die so lieb waren, mich ihren Dienst gratis ab dem 10. April 2005 für 14 Tage lang testen zu lassen. Die Anmeldebestätigung berichtete stolz „Allein in den letzten beiden Monaten wurden nachweislich weit über 10.000 Einzelgewinne an unsere Mitglider ausbezahlt.“ (Rechtschreibfehler sind authentisch). Das sind also mindestens 100 €, wow! Nur neu Tage später sollte ich auch zu den Einzelgewinnern gehören:

Sie zählen zu den glücklichen Gewinnern der Lottoziehung vom 16.04.2005.
Der Gewinn wird Ihnen in den nächsten Tagen automatisch durch einen Treuhänder auf das bei Ihrer Anmeldung angegebene Konto überwiesen.

Pünktlich vor Ablauf der 14-tägigen Frist habe ich den Dienst gekündigt und um Bestätigung derselben gebeten. Eine Woche später (29. April 2005) antwortete der Support:

Sehr geehrter Herr Kaemmerer,

vielen Dank für Ihr Schreiben. Ihr Widerruf ist bei uns eingegangen und wird zum nächstmöglichen Termin ausgeführt.
Eventuell zuviel gezahlte Gebühren werden wir Ihrem Konto in den nächsten Tagen gutschreiben. Dieser Prozess kann bis zu 14 Tage in Anspruch nehmen.

Mein Gewinn wurde überwiesen: über 19 Cent durfte ich mich freuen. Eine Woche später waren es sogar schon 23 Cent, die ich gewonnen hatte. Doch dem stand eine Abbuchung von 52 Euro am 03. Mai 2005 – vier Tage nach dem meine Kündigung bestätigt wurde – gegenüber. Diese Lastschrift lies ich zurückgehen.

Damit war für mich die Erfahrung wunschlotto.de zu Ende. Doch die Datenbanken von Unternehmen haben ein Elefantengedächtnis, zumindest, wenn es ums Geld geht. Knapp vor dem Ablauf der gesetzlichen Mahnfrist von 2 (Kalender)Jahren flatterte ein Brief von Awanda, dem Betreiber von wunschlotto.de, ins Haus. Mir wurde erklärt, dass ich nach der 14 tägigen Testphase eine Mindestlaufzeit von 6 Monaten und die Abbuchung des Mitgliedsbeitrages im Voraus akzeptiert hätte. Awanda gehe davon aus, das die Rückbuchung des Betrages ein „Versehen“ sei. Innerhalb von 7 Tagen sollte ich folgendes überweisen: „Offener Betrag inkl. Mahn- u. Bankgebühren: EURO 60,00“.

Mein erster Gedanken zu diesem Brief: Da versucht jemand, mit der Vergesslichkeit der Leute Geld zu machen. Doch mein Mailfolder ist nicht vergesslich. Und die Mahnung wareigentlich keine, denn es fehlten einige wichtige, gesetzlich vorgeschriebene Informationen. So wurde nicht berichtet, wann und für welche Dienstleistung ein Vertragsverhältnis zustande gekommen sein soll. Eine Rechnung hatte ich nie erhalten. Weiterhin fehlte eine korrekte Fristsetzung („innerhalb von 7 Tagen“ ist nicht ausreichend) und eine Information, wie sich die angemahnten 60 € zusammensetzen. Ich ignorierte das Schreiben und hoffte, das es Awanda mir gleich tut.

Doch Awanda lässt nicht locker. Am 23. März 2007 traf ein Brief des von Awanda beauftragten Inkassobüro accumio ein. Jetzt kommt Licht ins Dunkel: darin bezieht man sich auf eine Rechnung vom 29.04.2005 – genau dem Tag, an dem meine Kündigung bestätigt wurde. Aus den 52 € wurden 84,54 € (8 € Auslagen, 4 Cent Zinsen, 24,50 € Inkassokosten).

Meine Reaktion auf diese Mahnung viel deutlich aus: Ich habe der Forderung widersprochen und nach dem Nachweis des Vertragsverhältnisses und einer korrekten Rechnung verlangt. Weiterhin habe ich meine fristgemäße Kündigung und die Bestätigung derselben geltend gemacht. Sollten weitere unberechtigte Mahnungen eintreffen, wird ein Anwalt Arbeit bekommen, lautete meine Antwort.

Ein paar Wochen später, am 16. April 2007 erhielt ich schwarz auf weiß, das bei Awanda etwas nicht stimmt: Man erklärte mir, das mein Kündigungsschreiben nicht fristgemäß, sondern erst am 22. Oktober 2005 eintraf. Das ist gut ein halbes Jahr, nach dem die Kündigung bestätigt wurde. Die Forderung wurde bekräftigt und dank weiterer Zinsen auf 84,81 Euro erhöht.

Unabhängig davon, dass eigentlich Awanda für den Nachweis der Korrektheit der Forderung zuständig ist und nicht ich für den Nachweis des Gegenteils führen muss, schrieb ich einen weiteren Brief und wies erneut auf die offensichtliche Unkorrektheit der Forderung hin. Gleichzeitig stellte ich Awanda 40 € für meinen Aufwand mit der unrechtmäßigen Forderung in Rechnung. Dieser Betrag wurde bis jetzt nicht überwiesen. Ich werde wohl Amanda eine Mahnung schreiben…

Seit dem habe ich keine weitere Post – weder von Awanda, noch von accumio – erhalten.

Update vom 3. Mai 2007: Mein Brief, in dem ich das rechtzeitigen Absenden der Kündigungsbestätigung bewiesen hatte, ist offensichtlich angekommen, denn accumio antwortete heute:

Sehr geehrter Herr Kämmerer,
in obiger Angelegenheit nehmen wir Bezug auf Ihr Schreiben und teilen Ihnen mit, das die Frist für einen Widerruf 14 Tage ab Bestellung beträgt. Leider ist Ihr Kündigungsschreiben verspätet eingetroffen.
Die Forderung besteht hier zu Recht [...]

Mein Beweis der korrekten Kündigung wird einfach ignoriert und der Mahnbetrag ohne nähere Erklärung um 53,01 Euro auf 137,82 Euro erhöht. Den Brief kann ich nur als verzweifelten Versuch verstehen, mich einzuschüchtern. Ich glaube, das wird ein Fall für den Verbraucherschutz.

Mit einer Google-Suche nach awanda accumio findet man weitere vergleichbare Fälle. Bei einem Forumsteilnehmer hat laut seiner Aussage abwarten gereicht, da trotz Ankündigung Awanda nicht vor Gericht gegangen ist. Die Kündigung wurde aus „Kulanz“ akzeptiert.

Update vom 15. Juni 2007: Wie erwartet ist jetzt das Schreiben vom Rechtsanwalt eingetroffen. Meine Anwältin wird den Fall jetzt übernehmen und ich werde Strafanzeige gegen Awanda stellen. Nähere Hintergründe folgen in den nächsten Tagen in einem eigenen Beitrag.

Update vom 2. Juli 2007: Zwei weitere Beiträge sind online: Schadensersatz von Awanda und Strafantrag gegen Awanda

Update vom 12. September: Beitrag Awanda zahlt Schadensersatz und entschuldigt sich ist online.

Fazit: Wer eine Mahnung erhält, sollte sehr genau schauen, ob diese berechtigt ist. Wer sich seiner Sache ganz sicher ist, kann mit dem Widerspruch waren, bis der gerichtliche Mahnbescheid eingetroffen ist – sollte überhaupt jemals einer eintreffen. Dann muss das mahnende Unternehmen klagen und vor Gericht seinen Anspruch erklären. Klappt das nicht, wird es für die unterlegene Seite definitiv nicht billig.

WAZ mit Kodex: Ab jetzt „Glaubwürdig und verlässlich“?

Die WAZ Gruppe feiert sich selbst für die Unterschrift unter den selbst erstellten Verhaltenskodex, der hauptsächlich das regelt, was der Pressekodex für Journalisten ohnehin vorschreibt. Das sieht Lutz Tillmanns, Geschäftsführer des Deutschen Presserates laut OTZ anders: „Der WAZ-Kodex sei keine Konkurrenz und auch kein Ersatz für den Pressekodex des Deutschen Presserates, sondern konkretisiere und ergänze ihn durch hausinterne Bindung.“

Hans Hoffmeister schreibt:

„Wer Regionalzeitungen wie die TLZ liest, darf generell auf deren Glaubwürdigkeit vertrauen.“

Das ist ein sehr hoher Anspruch, den Hans Hoffmeister, TLZ-Chefredakteur und Herausgeber einer 15-bändigen Edition über Villen in Thüringen formuliert. Dass Anspruch und Wirklichkeit mitunter schwierig vereinbar sind, zeigen die beiden Artikel Ärztedemo in den Jenaer Medien (Teil II).

Doch schon die Verbreitung der Zeitungen OTZ, TLZ und TA (alle Zeitungsgruppe Thüringen, die zur WAZ Mediengruppe gehören) zeigt, wie schwierig Unabhängigkeit ist. Laut Eigenwerbung „Dynamik in Zahlen“ hat die ZGT in Thüringen eine Reichweite von knapp 50% und bei den Abonnenten einen Marktanteil von meist 95-99%. Kein Wunder, es gibt in den meisten Städten und Kreisen keine weitere Tageszeitung (mehr). Im Altenburger Land gibt es sie noch: die Osterländer Volkszeitung. Dort liegt der Marktanteil der ZGT plötzlich bei nur 23,2%. Was die „Dynamik in Zahlen“ verschweigt: Die Abonnenten–Auflage der OTZ+TLZ (wird nur zusammen gemessen) ist in zwei Jahren um 8,2% gesunken (QI/2005: 25.978, QI/2007: 24.005, Quelle: IVW). Wie die „Gefahr für die Pressevielfalt im Osten des Ruhrgebiets ” durch die WAZ-Gruppe aussieht, durfte die Bunderegierung in einer kleinen Anfrage (PDF) beschäftigen.

Doch sinkende Auflage und monopolartige Stellung allein sind noch kein Merkmal der Qualität. Ein Blick in den Verhaltenskodex unter “Ergänzende Erklärungen” verrät:

„Die WAZ-Mediengruppe hält sich an geltende Tarifverträge.“

Schon ein Blick in die Liste der „Tarifumgehung der Verlage“ des Deutschen Journalistenverband DJV holt uns in die Realität zurück: „Die Volontäre sind Schüler der Journalistenschule Ruhr und werden untertariflich bezahlt.“ (Hintergrund: „WAZ bittet zur Kasse“ in die tageszeitung). Weitere Hinweise auf den Umgang mit den Tarifverträgen befinden sich in der kleinen Anfrage an den Bundestag (Download PDF)

Auch die eigene Erfahrung zeigt eine “besondere” Realität. Als Fotojournalist war ich bei einer mehrtägigen lokalen Veranstaltung tätig. Von einem freien Redakteur wurde ich angesprochen, ob ich ein Bild liefern könnte. Die Bezahlung beträgt laut MFM, der Tarifliste der Fotografen mindestens 40 €/Bild (Einspalter), bei OTZ/TLZ werden jedoch nur ca. 8 €/Bild gezahlt. Doch auch das war zu viel: da der Veranstalter kostenlos Bilder liefern konnte, werden diese bevorzugt. Publizistische Freiheit sieht anders aus.

Der DJV bejubeltbegrüßt den Kodex der WAZ“, fragt sich aber nicht, was davon in der Realität übrig bleibt.

Weitere Presseberichte:

die tageszeitung: „Drei Damen im Bild“ Die WAZ-Mediengruppe gibt sich einen Kodex für unabhängigen Journalismus. Warum nur? Warum jetzt?

ZEIT online: Medien und Werbung: Was dürfen Journalisten?

kress packt das Thema zum Tag der Pressefreiheit sportlich an: Trendthema Pressekodex – was soll unbedingt rein? Über 30% wünschen sich „Schnaps erst nach der Morgen-Konferenz.“

Die persönlichen Beziehungen der Redakteure mit lokaler Politik und Wirtschaft kann der Kodex nicht verhindern. Aber zum Glück gibt es Blogger.

P.S. Es wäre spannend zu erfahren, wie mit den Pressekonditionen konkret umgegangen wird.

OTZ und TLZ widmen dem Thema jeweils gut eine halbe Zeitungsseite. Ausriss der heutigen Ausgaben:

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