Fans

7. February 2012

Deutschland einig Trauerland

Der deutsche Fußball hat ein Spiel verloren, doch Deutschland hat Identität gewonnen. Deutschland hat gelernt, „wir“ zu sagen und das „wir“-Gefühl auch zu zeigen.

Dieser Prozess begann vor vier Jahren, zur letzten Weltmeisterschaft. Während der vier Wochen fieberten immer mehr Menschen von Spiel zu Spiel beim Public Viewing zusammen vor den Leinwänden. Vom Erfolg der Spieler getragen hielten immer mehr Fans eine deutsche Fahne in der Hand und drückten ihren Stolz auf die Mannschaft und auf die eigene Nation aus. Plötzlich schien es möglich, patriotisch zu sein, die deutsche Fahne zu schwenken und nicht gleich als Nazi verschrien zu werden. Durch diese Symbolik hat sich Deutschland ein Stück weit von seiner schrecklichen Geschichte emanzipiert und ausgerechnet der Fußball im eigenen Land hat dabei geholfen.

Pünktlich zum Start dieser Fußball-Weltmeisterschaft verwandelte sich Deutschland wieder in ein Schwarz-Rot-Goldenes Flaggenmeer. Häuser und Frauen wurden in farbige Fahnen gewickelt und die durch die Sonne rotgebrannten Wangen dreifarbig geschminkt. Schwarz-Rot-Sexy ist das neue Motto der Republik. Fast jeder macht mit und hat Spaß dabei.

Die Männerdomäne Fußball wird von den Frauen entdeckt, die vorzugsweise die ersten Reihen beim Public Viewing füllen. Gekleidet in Wäsche, die gerade so groß ist, dass die drei Identitätsfarben darauf gedruckt werden können, machen die jungen Frauen den Männersport auch endlich für Männer interessant. Währenddessen spielen die großen Jungs Fußball-Buzzword-Bullshit-Bingo mit den Worten aus den Spielberichten von Günter Netzer („Die Räume enger machen!“, „Basta!“). Auch das schafft ein „wir“-Gefühl.
Alles nur Show? Natürlich! Und doch bleibt das Gefühl, etwas gemeinsam erreicht zu haben. Die Republik kuschelt zusammen, nicht nur beim Public Viewing. Dabei hilft der geniale Manager Joachim „Jogi“ Löw, denn er ist der Erneuerer des deutschen Fußballs und zeigt der Republik, wie weit man – wie weit „wir“ – mit Strategie und Zuversicht kommen können. Dabei tritt Löw als bedachter und angenehm zielführender Trainer auf, der immer wieder die Gemeinschaftsleistung und die Mannschaft in den Vordergrund rückt. Er regiert die deutsche Elf, so wie Merkel Deutschland regieren sollte. Immer konzentriert und mit dem Erfolg statt der eigenen Person im Fokus.

Frau Merkel hat ihm zugeschaut – ob sie Impulse mit in die deutsche Politik zurücknimmt? Wir können es nur hoffen – für Deutschland, für uns, für das „wir“.

Übrigens: Es ist auch die Zeit der Fotojournalisten. Statt zum Ablichten der Politiker extra das Weitwinkel-Objektiv auszupacken, reicht es auf die Straße zu gehen: Motive überall. Während des Spiels ist der Blick direkt ins Public Viewing Publikum gerichtet. Das Spiel beobachten wir direkt in den Gesichtern:

Weitere Fan-Fotos in der Happy Arts Galerie.

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Fanfotos WM Deutschland – Argentinien

Mein Wunsch nach mehr Toren aus dem Artikel WM Rudelgucken wurde erhört: Es gab Argentinisches Schnitzel gesalzen mit vier Toren und als Bonus die wohl beste WM Stimmung der letzten Jahre in unserem kleinen Städtchen Jena. Fans, Freude, Fahnen – überall! So viel gute Stimmung brachte sogar eine Spontandemonstration (selbstverständlich komplett friedlich) durch die Innenstadt hervor.

Weitere Fan-Fotos in der Happy Arts Galerie.

Vielleicht gibt heute Abend noch mehr Stimmung, wenn die Paella verschlungen wurde.

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FC Carl Zeiss Fans tanzen mit den Geistern

Zu einer kleinen Demonstration trafen sich heute Vormittag die Fans des FC Carl Zeiss Fans. Unter dem Motto „Tanz mit den Geistern“ demonstrierten sie gegen den Ausschluss vom Spiel gegen den SC Paderborn am heutigen Sonnabend (Spielbericht des 2:4). Aufgrund der die Vorkommnisse aus dem Braunschweig- und Aalen-Spiel hat der DFB das Spiel unter dem teilweisen Ausschluss der Öffentlichkeit durchführen lassen, in dem nur 2500 Jenaer und 500 Gäste zugelassen wurden. Weiterhin wurde gegen „überzogene Berichterstattung und Meinungsmache“ demonstriert. Geladen haben Fansmedia und der Hintertorperspektive e.V..

Aufgrund des Fehlverhaltens einer weniger einen Großteil der Fans vom Spiel auszuschließen und dem Verein einen hohen Einnahmeverlust (ca. 80.000 € für den FC Carl Zeiss Jena) zu diktieren ist harter Schritt, welcher von den Fans nur schwer akzeptiert wird. Ob diese Strafe ein Anreiz ist, die Selbstreinigungskraft innerhalb der Fans anzuregen oder zu Frust und neuen Problemen führt wird die Zukunft zeigen. Ändert sich nichts, werden immer wieder einzelne Personen für hohe Strafen sorgen und Tausende Fans verärgern.

Das die Fans gegen „Medienhetze“ demonstrieren hat viele Gründe, über die sich hervorragend (und teilweise undifferenziert) streiten, lassen (Beispielthread im Fanforum). Doch die medientypschen Übertreibungen und Zuspitzungen sind sicher nicht allein verantwortlich für das Spiel des FCC, die Schiedsrichterleistungen und die Strafe des DFB. Etwas weiter geht die Bild-Zeitung, welche gleich einen „Rassismus-Skandal“ erschrieb und ausgiebig nachhakte (Hier, hier, hier und hier). Pikant: Die Formulierung „Schwarze Sau“ wurde meines Wissens nach zuerst von BILD in die Medien gebracht, während meine Quellen ‘nur’ von einem „Du Arschloch“ berichteten. Diese Formulierung schafft jedoch keinen „Rassismus-Skandal“ (siehe auch Kommentar auf Jenanews).

Die Fans und die Medien werden in den nächsten Monaten unter einer besonders genauen Beobachtung stehen. Hoffentlich fällt sie etwas differenzierter aus, als dies aktuell der Fall ist.

Fußballfans demonstrieren in Jena

Fußballfans demonstrieren in Jena

Fans und Feuer beim DFB Pokal

Fußballfans sind keine Verbrecher, manchmal kreativ und manchmal pyromanisch. Wie diese drei Eigenschaften ziemlich nah beieinanderliegen, war im Jenaer Ernst-Abbe-Sportfeld zum DFB-Pokalspiel gegen den 1. FC Nürnberg zu sehen. Die „echten Fans“ der Südkurve haben gesammelt, gemalt, gebastelt und sich selbst verhüllt:

Vorsicht Panorama-Bild: bitte anklicken, warten und dann scrollen.

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Dieses Panorama-Bild zeigt die Südkurve zu Beginn des Spiels. Das Foto ist auch in der Originalauflösung 14956 x 2478 (21 MB) verfügbar.

Die Fans vom 1. FC Nürnberg waren nicht kreativ, sondern destruktiv, in dem sie mehrere Bengalisches Feuer im Gästeblock gezündet und z.T. auf das Spielfeld geworfen haben. Die folgende Animation wurde nicht mit einer Videokamera, sondern mit meiner Spiegelreflex-Digitalkamera aus einzelnen Fotos erzeugt.

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