Gemessen an der Größe von Jena ist die Portaldichte von journalistischen Angeboten sehr hoch. Nicht nur unsere beiden lokalen Tageszeitungen TLZ und OTZ (beide WAZ-Gruppe) betreiben Online-Portale mit ausgewählten Print-Nachrichten, auch zwei reine Online-Portale bieten selbst erstellte journalistische Inhalte. Doch auch abseits des klassischen Journalismus sehen insbesondere Event- und Suchportale ihre Chance. Meist von ein oder zwei Studenten gegründet ist eine dauerhafte Verfügbarkeit kaum gesichert. So ist auch das Stadtgespräch Jena gut gestartet, dann zu einer PR-Plattform der Linken verkommen und jetzt “Aufgrund technischer Schwierigkeiten offline…”. Die beiden reinen Online-Portale Jenanews (Jens Mende) und Jenakompakt (Thomas C. Stahl) sind zu klein, um im Vergleich zu den Seiten der Tageszeitungen auf nennenswerte Zugriffszahlen zu kommen. Gleichwohl sind sie eine ideale Ergänzung der Onlinelandschaft und stellen mit ihren teilweise ausgezeichneten Berichten und Kommentaren ein gewünschtes und benötigtes Korrektiv dar.
Webseiten Jenaer Medien
- TLZ: http://www.tlz.de
- OTZ: http://www.otz.de
- JenaTV: http://www.jenatv.de
Ausschließlich Online
- Jenanews, http://www.jenanews.de
- Jenakompakt, http://www.jenakompakt.de
- Newskraft (Blogsuche) http://www.newskraft.de/jena
Blogger mit teilweise journalistischen Veröffentlichungen
- Thüringerblogzentrale, http://www.thueringerblogzentrale.de
- Happy Arts Blog, http://blog.happyarts.de
Lokal orientiere Social Life oder Event-Seiten
Suchmaschinen mit Jenaer Fokus
Nicht mehr vorhandene Angebote
Vor kurzem haben wir gelernt, wie es um „Händys und Praktikanten“ bei unser Thüringer Qualitätszeitung TLZ steht. Heute erfahren wir, wie bei der TLZ eine Pressemitteilung in einen Artikel umgewandelt wird.
Das Wichtigste ist natürlich die Überschrift. In der von Nancy Dröse geschriebenen Pressemitteilung der Kulturarena lautet sie: „Kulturarena – Die Abschlusswoche“. Jegliche Spannung auf den folgenden Artikel wäre damit komplett genommen und so textet die TLZ bei regnerischem Wetter „Sommer steht im Mittelpunkt“ und trifft damit das Thema perfekt. Das hält die Spannung und gibt Hoffnung auf positive Worte in den folgenden Zeilen: „Nun bricht die letze Woche der Kulturarena an […]“ und wir hoffen, dass sie beim Anbrechen nicht vorzeitig abbricht oder gar ins Wasser fällt.
Was die TLZ aus der Jubelmeldung über die kommenden Bands macht, zeigt folgende Gegenüberstellung der Pressemitteilung und des TLZ-Artikels (nicht Dauerhaft im Netz) :

Immerhin: Die TLZ-Version enthält mit 2 Rechtschreibfehlern einen weniger, als das Presseoriginal.
P.S. Das Happy Arts Blog berichtet mit Texten von Jens Mende und Fotos von Markus Kämmerer ausführlich über die Kulturarena.
P.P.S. Der Besuch der Kulturarena lohnt wirklich – solange nicht Bela B. spielt. Dazu später mehr.
Sind wieder Praktikanten bei der TLZ unterwegs oder wie kommt es, dass eine kurze Meldung „Zivilcourage im Linienbus“ (Link nicht dauerhaft verfügbar) mit „Händy“ versehen und solchermaßen sprachlich vergurkt wird?
Zivilcourage zeigte ein 33-jähriger Mann, der am Samstag Nachmittag im Linienbus 390 einen jungen Mann ansprach, der lautstark Musik hörte. Da der junge Mann die Musik nicht abstellte, wendete sich der 33-Jährige an den Busfahrer. Auch dieser reagierte zunächst nicht. Als der musikhörende Mann auf erneutes Ansprechen wieder nicht reagierte, griff der 33-Jährige nach dem Abspielgerät, einem Händy, das Unruhestifter in der Brusttasche trug. […]
Inzwischen hatte der Busfahrer die Polizei gerufen, die die Beteiligten aufforderte, aus dem Bus auszusteigen. [...]
… skandierten die Fans zu Beginn des heutigen Spiels minutenlang in Jena (Video von Tobias Stepper auf YouTube, weiteres Video auf myvideo.de, weitere Videos zum Download) und erklären das nicht etwa den Politikern, sondern diesmal den Medien. Auslöser sind die Ereignisse am Schluss des Fußballspiels Burghausen gegen FC Carl Zeiss Jena letzte Woche in Burghausen.
Den vielen (weitestgehend übereinstimmenden) Augenzeugenberichten zu Folge war der eigentliche Auslöser ein Ordner, der einen Fan, welcher zum Spielende auf den Zaun geklettert war, von dort gewaltsam herunterholte. Der Ordner soll schon während des Spieles als aggressiv aufgefallen sein. Es wurde berichtet, dass danach eine Gruppe von 20 Polizisten und Ordnern im Gästeblock mit Pfefferspray und Schlagstöcken gegen die Fans vorgegangen ist. Das extrem harte und unnötige Eingreifen wurde von vielen Seiten, insbesondere aber den Fans auf das schärfste verurteilt.
Ergebnis der Schlacht waren über 20 verletze Jenaer (8 wurden im Krankenhaus behandelt, 2 erst am nächsten Tag entlassen), 4 verletzte Polizisten, ein verletzter Ordner und ein tiefer Graben zwischen Fans und Ordnern sowie der Polizei. Für alle Seiten ist das eine denkbar schlechte Bilanz.
An der schlechten Bilanz haben jedoch auch die Medien ihren Anteil. Insbesondere die Live-Berichterstattung des DSF wurde als einseitig und reißerisch verurteilt. In den Medienberichten wurde von Glasflaschen und sogar Metallteilen gesprochen, welche die Fans geworfen haben sollen. Die Kontrollen zum Gästeblock waren jedoch nach Aussage der Fans so gründlich, dass es gar nicht möglich war, Glasflaschen mit in den Block zu nehmen. Die weiteren Berichte sind ebenso einseitig: der Kicker berichtet von Randalen und die Bayrische Polizei hat auch ihre Sicht der Dinge. Ein Lob gilt hier der MDR Sportberichterstattung: Als eine der wenigen Medien haben sie auf die deutliche Diskrepanz der Berichte hingewiesen und lassen beide Seiten zu Wort kommen. So sollte Berichterstattung eigentlich immer aussehen – aber im Fußball sind die Feinbilder schon lange geklärt und die Medien brauchen Feindbilder zum überleben.
Der Verein FC Carl Zeiss Jena hat zu den Ereignissen eine offizielle Stellungnahme veröffentlicht, die das „aus unserer Sicht völlig überzogen und das rücksichtslose Vorgehen einiger Polizeibeamter“ aufs schärfste kritisiert. Ein wichtiger und mutiger Schritt. Der Schaden für alle wird jedoch bleiben.
Nachwort:
Vor kaum einem halben Jahr war ich das erste mal in einem Fußballstadion. Heute war da achte Spiel für mich. Das ist kein großer Erfahrungsschatz, aber es ist definitiv ein prägendes Erlebnis, am Eckpfosten zu sitzen, mitten zwischen 12.500 Zuschauer, die lautstark ihre Mannschaft anfeuern. Dabei habe ich eines gelernt: Fußball ist Emotion. Pure Emotion. Und normalerweise gezielte Emotion. Direkt auf den Rasen, auf die Spieler – mit den anderen Fans zusammen. Diesen Emotionen ein Ziel zu geben ist wichtig, denn die dahinterstehende Kraft ist beeindruckend und darf nie in die ‚falschen Hände‘ geraten. Dafür sind wir alle, die Fans, die Spieler, die Vereine, die Ordner, die Polizisten und die Medien verantwortlich. Jeder für sich und alle zusammen.
Update 15.05.07: Artikel von Peter Poser in der OTZ “Nach dem Schlusspfiff Kein Burghausen”. St. Paul Fans solidarisieren sich mit Jena (Quelle).
Banner der Fans: “Wer Polizeigewalt ignoriert, hat die pressefreiheit umfunktioniert! Gegen Medienhetze und Falschberichterstattung!!”
Die WAZ Gruppe feiert sich selbst für die Unterschrift unter den selbst erstellten Verhaltenskodex, der hauptsächlich das regelt, was der Pressekodex für Journalisten ohnehin vorschreibt. Das sieht Lutz Tillmanns, Geschäftsführer des Deutschen Presserates laut OTZ anders: „Der WAZ-Kodex sei keine Konkurrenz und auch kein Ersatz für den Pressekodex des Deutschen Presserates, sondern konkretisiere und ergänze ihn durch hausinterne Bindung.“
„Wer Regionalzeitungen wie die TLZ liest, darf generell auf deren Glaubwürdigkeit vertrauen.“
Das ist ein sehr hoher Anspruch, den Hans Hoffmeister, TLZ-Chefredakteur und Herausgeber einer 15-bändigen Edition über Villen in Thüringen formuliert. Dass Anspruch und Wirklichkeit mitunter schwierig vereinbar sind, zeigen die beiden Artikel Ärztedemo in den Jenaer Medien (Teil II).
Doch schon die Verbreitung der Zeitungen OTZ, TLZ und TA (alle Zeitungsgruppe Thüringen, die zur WAZ Mediengruppe gehören) zeigt, wie schwierig Unabhängigkeit ist. Laut Eigenwerbung „Dynamik in Zahlen“ hat die ZGT in Thüringen eine Reichweite von knapp 50% und bei den Abonnenten einen Marktanteil von meist 95-99%. Kein Wunder, es gibt in den meisten Städten und Kreisen keine weitere Tageszeitung (mehr). Im Altenburger Land gibt es sie noch: die Osterländer Volkszeitung. Dort liegt der Marktanteil der ZGT plötzlich bei nur 23,2%. Was die „Dynamik in Zahlen“ verschweigt: Die Abonnenten–Auflage der OTZ+TLZ (wird nur zusammen gemessen) ist in zwei Jahren um 8,2% gesunken (QI/2005: 25.978, QI/2007: 24.005, Quelle: IVW). Wie die „Gefahr für die Pressevielfalt im Osten des Ruhrgebiets ” durch die WAZ-Gruppe aussieht, durfte die Bunderegierung in einer kleinen Anfrage (PDF) beschäftigen.
Doch sinkende Auflage und monopolartige Stellung allein sind noch kein Merkmal der Qualität. Ein Blick in den Verhaltenskodex unter “Ergänzende Erklärungen” verrät:
„Die WAZ-Mediengruppe hält sich an geltende Tarifverträge.“
Schon ein Blick in die Liste der „Tarifumgehung der Verlage“ des Deutschen Journalistenverband DJV holt uns in die Realität zurück: „Die Volontäre sind Schüler der Journalistenschule Ruhr und werden untertariflich bezahlt.“ (Hintergrund: „WAZ bittet zur Kasse“ in die tageszeitung). Weitere Hinweise auf den Umgang mit den Tarifverträgen befinden sich in der kleinen Anfrage an den Bundestag (Download PDF)
Auch die eigene Erfahrung zeigt eine “besondere” Realität. Als Fotojournalist war ich bei einer mehrtägigen lokalen Veranstaltung tätig. Von einem freien Redakteur wurde ich angesprochen, ob ich ein Bild liefern könnte. Die Bezahlung beträgt laut MFM, der Tarifliste der Fotografen mindestens 40 €/Bild (Einspalter), bei OTZ/TLZ werden jedoch nur ca. 8 €/Bild gezahlt. Doch auch das war zu viel: da der Veranstalter kostenlos Bilder liefern konnte, werden diese bevorzugt. Publizistische Freiheit sieht anders aus.
Der DJV „bejubeltbegrüßt den Kodex der WAZ“, fragt sich aber nicht, was davon in der Realität übrig bleibt.
Weitere Presseberichte:
die tageszeitung: „Drei Damen im Bild“ Die WAZ-Mediengruppe gibt sich einen Kodex für unabhängigen Journalismus. Warum nur? Warum jetzt?
ZEIT online: Medien und Werbung: Was dürfen Journalisten?
kress packt das Thema zum Tag der Pressefreiheit sportlich an: Trendthema Pressekodex – was soll unbedingt rein? Über 30% wünschen sich „Schnaps erst nach der Morgen-Konferenz.“
Die persönlichen Beziehungen der Redakteure mit lokaler Politik und Wirtschaft kann der Kodex nicht verhindern. Aber zum Glück gibt es Blogger.
P.S. Es wäre spannend zu erfahren, wie mit den Pressekonditionen konkret umgegangen wird.
OTZ und TLZ widmen dem Thema jeweils gut eine halbe Zeitungsseite. Ausriss der heutigen Ausgaben:
Es gibt sehr viele Blogs über Fotografie und ebenso echte Fotoblogs, wie das sehr gute Blog von tageausglas. Leider gibt wenige Themen-Blogs, welche sich mit Konzertfotografie, Fotojournalismus und dem Bildmarkt beschäftigen. Die folgenden Blogs lese ich schon länger. Weitere thematisch passende Blogs, insbesondere zum Thema Konzertfotografie dürfen gern in den Kommentaren ergänzt werden.
Thomas Geiger u.a. über Photopool.de, Bildjournalisten, Fotografen, Bildredakteure und die Fotoszene als Solche. Leider wurde das Blog jetzt länger nicht aktualisiert.
Das Blog wird von Michael Hirschler vom Deutschen Journalisten-Verband betrieben und richtet sich an alle Bildjournalisten.
In diesem Blog schreibt der Pressefotografen Horst Welke über „Bildjournalismus und Fotografie aus Leidenschaft“. Es gibt viele klassische Pressebilder mit Hintergrundinformationen zu sehen.
Das Blog von Fabian Mohr berichtet hauptsächlich aus Bereichen der Foto-Reportage und zeigt regelmäßig sehr gute Bilder.
Das englischsprachige Blog widmet sich mehr den künstlerischen Aspekten der Fotografie, aber auch dem klassischen Fotojournalismus.
Der Bildredakteur ist ein Gemeinschaftsblog dreier Schweizer Autoren. Der gut gemachte Themenmix betrifft den Bildermarkt allgemein.
Dysternis „the blog of harm and appletrees�
Der Fotograf Thomas Mellenthin fotografiert eine fast unendliche Menge von Metal-Konzerten und setzt dabei sein 50er Objektiv scheinbar genauso gern ein wie ich.
Vor ein paar Jahren sind im Rosenkeller in Jena bei einem Konzert von Disillusion, Cryptic Wintermoon und Disbelief auch ein paar ähnliche Bilder entstanden. Damals noch auf echtem Film. Hier mein persönliches Highlight und mehr in der Happy Arts Galerie.
Bei der Thematik Media Markt gegen Media-Böld.de ist mir ein Satz von Rainer Kohnen besonders aufgefallen:
Auch in der sogenannten “Blogosphäre” war das Thema nicht auf die erhoffte Resonanz gestoßen, es hatten zwar eine große Anzahl von Blogs darüber berichtet (Mein Dank nochmals an Alle die etwas darüber geschrieben haben!), bei den sogenannten “A-Bloggern” aber, durch deren Berichterstattung die Sache auf Grund deren großen Reichweite enorm an Fahrt hätte gewinnen können, war von Solidarität nicht viel zu spüren. Woran es lag – keine Ahnung, jedenfalls nicht daran daß sie nichts davon gewußt hätten.
Daraus ergibt sich die Frage: Wie wichtig sind A-Blogger in der Blogosphäre für die Themensetzung?
Die A-Blogger haben mindestens 10-100 mal höhere Zugriffszahlen auf ihre Artikel als die restlichen, gut besuchten Blogs. Schon daraus ergibt sich, dass ein Thema mehr wahrgenommen wird, wenn ein A-Blogger sich damit beschäftigt.
Das bedeutet nicht zwingend, dass ein Thema von den A-Bloggern erfunden oder entdeckt werden muss. Oft wird die Thematik auf unbekannteren oder fachspezifischen Blogs entwickelt und verbreitet sich durch die Verlinkung innerhalb des direkten Umfeldes. Wird das Thema dann von einem bekannteren Blogger aufgefasst, gewinnt es meist eine neue Dynamik. Das Thema schwappt sozusagen aus einem kleinen, speziellen Interessenskreis heraus.
Auf den Meta-Blogs – typisch hierfür ist das Basic Thinking Blog – wird das Thema entweder nur verlinkt oder mit einem meist kurzen, persönlichen Kommentar versehen und damit bewertet. Durch die enorme Reichweite wird das Thema in der Blogosphäre bekannt und von weiteren Blogs aufgegriffen. Trackbacks auf dem Meta-Blog sammeln die Diskussion.
Andere Blogs, wie die Blogbar oder Indiskretion Ehrensache setzen neue Themen oft selbst. Meist gibt es einen klaren thematischen Fokus und bestimmte Themenbereiche werden bevorzugt. Auch hier ist der Artikel oft der Anstoß für eine längere Debatte innerhalb der Blogosphäre.
Auch bei Focus-Blogs, wie der Thüringer Blogzentrale, welche gute Blog-Artikel der Thüringer Blogs sammelt und zentral veröffentlicht erfolgt eine bewusste Auswahl der Artikel und Themen.
Es ist anzunehmen, dass Journalisten wenige und vor allem bekannte Blogger lesen und beobachten, da ein vollständiger Überblick über alle Themen der Blogosphäre weder möglich noch nötig ist. Damit dürfen es die Themen, welche von den A-Bloggern aufgegriffen werden leichter haben, die Blogosphäre zu verlassen. Eine gewisse Reputation der bekannten Blogger unterstützt diese Tendenz zusätzlich.
Das Auswählen und Kommentieren relevanter Themen sind klassische Aufgaben eines Journalisten. Die Betreiber der Blogs funktionieren als Gatekeeper der Blogosphäre. Der Unterschied zu klassischen Medien ist nur folgender: Ihre Macht ist begrenzter. Auch ohne A-Blogger kann es ein Thema mit dem entsprechenden Nachrichtenwert es ganz nach oben und bis nach draußen schaffen. In der klassischen Medienwelt ist das ohne die Macht der Großen kaum möglich.
In der Forschung wird die Abkehr von der alten Gatekeeper-Strategie beschrieben. Doch das ist nicht weit genug gedacht: auch die Blogs benötigen ihre Gatekeeper. Das ergibt sich schon aus der schieren Anzahl unterschiedlich relevanter Informationen, die publiziert werden. Zwar ist es jetzt nahezu jedem möglich, seine Gedanken und Informationen zu veröffentlichen. Aber nur, weil eine Information im Netz steht, wird sie noch lange nicht wahrgenommen. Aufgrund des nötigen Auswahlprozesses innerhalb der Blogosphäre wird diese nicht ohne ihre zunehmend journalistisch arbeitenden Alpha-Tiere auskommen.
Passend hierzu der Artikel. „Who’s a Journalist These Days?“ via Jonet
P.S. Es wird immer behauptet, die Blogsphäre beschäftigt sich nur mit sich selbst. Damit wenigstens Fünkchen Wahrheit in dieser Aussage enthalten ist, war dieser Artikel mein Beitrag dazu.
Meine Frage „Ist Pressefreiheit in Deutschland die Freiheit der Anwälte?“ bekommt wieder eine neue Antwort: Media-Blöd.de akzeptiert die Abmahnung des Media Marktes – weil das Geld fehlt, für das eigene Recht zu kämpfen.
Rainer Kohnen, der Betreiber von Media-Blöd.de wird nicht gegen die Abmahnung des Media-Markt gegen seine Media-Blöd-Satire (Hintergründe: Media-Blöd Abmahnung durch Mediamarkt-Steinhöfel/Höbelt und Media-Blöd: Gegen den Mediamarkt prozessieren oder aufgeben?) vorgehen, da er mit Kosten von 4.000 € bis 40.000 € rechnen muss, um den Prozess zu führen. Zwar müssen diese Kosten im Falle einer Niederlage des Media Markt von diesem übernommen werden, das Prozessrisiko bleibt jedoch. Die Chancen für den Prozess stehen allerdings sehr gut für media-blöd.de: mehrere Beobachter analysierten den Fall unabhängig voneinander (z.B. Media-Markt Abmahnung gegen Media-bloed.de und fettisch.de und J!Cast 26 Media-bloed – Was darf Satire) und sagten einen positives Ergebnis für Media-Blöd.de voraus.
Doch ein solcher Prozess muss erst einmal finanziert und geführt werden. Durch die einstweilige Verfügung des Media Marktes wurden die nötigen Prozesskosten weiter in die Höhe geschraubt.
Rainer von Media-Blöd.de hatte sich mehr öffentliche Unterstützung erhofft. Weder die Spendengelder von 170 €, noch Unterstützung durch die Blogosphäre und die Medien (trotz Spiegel Online Artikel) waren seiner Meinung nach ausreichend. Er hat jetzt Banner erstellt, die auf eigenen Webseiten veröffentlicht werden können und verkauft passende T-Shirts. Das soll unter anderem helfen, seine jetzigen Kosten von 2000-3000 € wenigstens teilweise zu decken und das Thema in der Öffentlichkeit zu halten.
Rainer gibt sich trotzdem kämpferisch:
Ich werde daher zwar nicht gegen den Media Markt prozessieren, aber ich werde auch weiterhin diese Zustände anprangern und Parodien und Satire auf Media-Blöd.de veröffentlichen.
Und ich werde nicht aufhören, mich für Meinungsfreiheit und für die Möglichkeit Parodien und Satire im Internet veröffentlichen zu können einzusetzen. Deshalb bin ich dabei gemeinsam mit einigen anderen Bloggern, Forenbetreibern und anderen Interessierten einen gemeinnützigen Verein mit eben diesem Ziel zu gründen. Wenn jemand Lust hat mitzumachen, einfach eine Mail schicken!
Spannend ist vor allem die Aussage von Media Markt Rechtsanwalt Steinhöfel. Rainer schreibt:
Ich habe darum auch bei Herrn Rechtsanwalt Steinhöfel angefragt, ob er evtl. bereit wäre auf Grund meiner finanziellen Situation auf einen Teil seines Honorars zu verzichten.
Herr Steinhöfel hat sich zwar die Zeit genommen, die unterschiedlichen Aspekte der Situation mit mir zu erörtern, auf einen Teil seines Honorars zu verzichten lag ihm jedoch fern, unter anderem aus dem Grund daß ich seiner Meinung nach uneinsichtig sei, da ich Kontakt zu den Medien gesucht hatte.
Im Übrigen vertrat er den Standpunkt daß es einem schon etwas wert sein sollte für die Meinungsfreiheit als hohes Gut der Demokratie einzutreten, und dass 40.000 € sicher kein zu hoher Preis dafür wären.
Womit er ja irgendwie Recht hat, oder! Schade nur, daß er die Summe nicht spenden wollte.
Insgesamt ist es erschreckend zu beobachten, wie die Presse- und Satirefreiheit in Deutschland weiter eingeschränkt wird. Besonders für die Kleinen ist es schwierig eigene Rechte gegenüber ‚den Großen‘ durchzusetzen, da fast jede Art der Berichterstattung mit dem Mittel der Abmahnung erst einmal wirkungsvoll unterdrückt werden kann. Dagegen vorzugehen benötigt eine große Menge Zeit und Geld und setzt damit die Hürden für freie Berichterstattung immer höher. Hier ist die Blogosphäre aufgerufen, auf diese Missstände aufmerksam zu machen und entsprechenden Themen mit Hilfe ihrer exzellenten Vernetzung den richtigen Spin zu geben um dann in den klassischen Medien entsprechende Beachtung zu finden.
In meinem Vortrag „Rechte und Pflichten im Web: Abmahnungen oder warum ein Brötchen 6000 Euro wert ist“ beim vierten WebMonday werde ich über diesen Fall berichten und damit hoffentlich auch einen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit der Blogosphäre leisten.
Update: Haben die vielen Proteste Wirkung gezeigt? Die FAZ titelt “Media-Saturn-Konzern sucht anderes Image” und berichtet, das der Anwalt Steinhöfel nicht mehr für den Media Markt arbeiten wird.
Der letzte WebMonday hat gezeigt, das weniger die technischen Themen, sondern eher Zusammenhänge, Entwicklungen und Visionen des Web 2.0 interessieren. Deshalb möchte ich ein Thema vorschlagen, zu dem ich zum 4. WebMonday am 2. April einen Vortrag (10-15 Min) halten möchte:
„Rechte und Pflichten im Web: Abmahnungen oder warum ein Brötchen 6000 Euro wert ist“. Das Thema interessiert eigentlich niemanden, ist dafür um so wichtiger für alle, die im Internet in irgendeiner Art publizieren oder präsent sind.
Folgenden Inhalt habe ich geplant. Was fehlt und darf nicht fehlen? Bitte weitere Themenvorschläge oder Wünsche für den Inhalt als Kommentar hinterlassen.
- Einführung: Eine Abmahnung kann jeder erhalten
- Themen für Abmahnung: Urheberrecht, Persönlichkeitsrecht
- Beispiele für Abmahnungen aus der Praxis (SaftBlog, Media-Blöd, Barthels, 6000 € Brötchen, …)
- Typische Fallstricke?
- Die Gefahr einer Abmahnung reduzieren
- Impressum, V.i.S.d.P
- Abmahnung erhalten? Was nun?
- Buchempfehlung: Presserecht für Journalisten
- Versicherung: Rechtsschutz, DJV
Da die rechtlichen Aspekte des Themas sehr komplex sind, bin ich mit der Rechtsanwältin Babette Sterna im Gespräch. Sie wird die fachlichen Aspekte des Themas ergänzen. Der genaue Inhalt wird noch besprochen.
„Ist Pressefreiheit in Deutschland die Freiheit der Anwälte?“ fragte ich vor einer Woche zum Thema „Mein Parteibuch“. Eine weitere Antwort auf diese Frage liefert uns unfreiwillig das Weblog http://media-bloed.de. Der Autor des Weblogs veröffentlichte eine Satire zum Thema Media blöd. Media Markt fand das offensichtlich nicht lustig und mahnte das Weblog kostenpflichtig ab (ausführlich in Spiegel Online) . Der Forderung wurde noch etwas Druck verliehen, in dem die gleiche Abmahnung noch von einem zweiten Media Markt versendet wurde – natürlich mit weiteren Kosten. Als die Bilder nicht entfernt wurden, beantragte Media Markt eine einstweilige Verfügung vor Gericht. Werden die Bilder nicht entfernt, droht ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro.
Der Autor plant jetzt den Gegenangriff. Er sprach mit fünf verschiedenen Anwälten, die unabhängig voneinander meinten, dass der Prozess mit fast 100%iger Wahrscheinlichkeit durch alle Instanzen zu gewinnen ist. Es bleibt das große “Aber”. Er schreibt:
Es bleibt das Risiko, auf den gesamten oder einem Teil der Prozesskosten sitzen zu bleiben, und die liegen schon in der ersten Instanz bei ca. 5000,- Euro und können sich über mehrere Instanzen auf 30.000,- Euro und mehr summieren.
Und genau darin liegt die große Gemeinheit, während der Mediamarkt, der Jahr für Jahr hunderte Millionen Euro für Werbung ausgibt, diese Summe aus der Portokasse bezahlt, wäre ich bankrott und hätte für den Rest meines Lebens einen riesigen Schuldenberg abzutragen.
Ich sehe diese Aktion als einen direkten Angriff auf die Pressefreiheit. Wer das meiste Geld und den längsten Atem hat, gewinnt. Dieser Fall könnte Zeichen setzen. Deshalb sollte der Autor für sein Recht kämpfen. Damit das möglich ist, hat er ein Spendenkonto eingerichtet.
Bei den letzten Spendenaktionen, als es um Abmahnungen von Blogs ging habe ich nie mitgemacht. Der Grund ist einfach: es waren oft Abmahnungen, die zwar nicht mit der Wahl der Mittel und den entstehenden Kosten, aber dem Inhalt wenigstens halbwegs gerechtfertigt waren. Die Selbstverantwortung der Weblogs können die Spendengelder nicht abnehmen. Dieser Fall liegt jedoch anders und ist viel zu eindeutig, als das man ihn einfach übergehen könnte.
P.S. Nach Spiegel Online veröffentlichte der Media Markt Rechtsanwalt Steinhöfel Texte verschiedener Medien auf seiner Homepage, ohne dafür eine Genehmigung beim Inhaber einzuholen.










