Medien

20. May 2013

Fußballfans sind keine Verbrecher …

… skandierten die Fans zu Beginn des heutigen Spiels minutenlang in Jena (Video von Tobias Stepper auf YouTube, weiteres Video auf myvideo.de, weitere Videos zum Download) und erklären das nicht etwa den Politikern, sondern diesmal den Medien. Auslöser sind die Ereignisse am Schluss des Fußballspiels Burghausen gegen FC Carl Zeiss Jena letzte Woche in Burghausen.

Den vielen (weitestgehend übereinstimmenden) Augenzeugenberichten zu Folge war der eigentliche Auslöser ein Ordner, der einen Fan, welcher zum Spielende auf den Zaun geklettert war, von dort gewaltsam herunterholte. Der Ordner soll schon während des Spieles als aggressiv aufgefallen sein. Es wurde berichtet, dass danach eine Gruppe von 20 Polizisten und Ordnern im Gästeblock mit Pfefferspray und Schlagstöcken gegen die Fans vorgegangen ist. Das extrem harte und unnötige Eingreifen wurde von vielen Seiten, insbesondere aber den Fans auf das schärfste verurteilt.

Ergebnis der Schlacht waren über 20 verletze Jenaer (8 wurden im Krankenhaus behandelt, 2 erst am nächsten Tag entlassen), 4 verletzte Polizisten, ein verletzter Ordner und ein tiefer Graben zwischen Fans und Ordnern sowie der Polizei. Für alle Seiten ist das eine denkbar schlechte Bilanz.

An der schlechten Bilanz haben jedoch auch die Medien ihren Anteil. Insbesondere die Live-Berichterstattung des DSF wurde als einseitig und reißerisch verurteilt. In den Medienberichten wurde von Glasflaschen und sogar Metallteilen gesprochen, welche die Fans geworfen haben sollen. Die Kontrollen zum Gästeblock waren jedoch nach Aussage der Fans so gründlich, dass es gar nicht möglich war, Glasflaschen mit in den Block zu nehmen. Die weiteren Berichte sind ebenso einseitig: der Kicker berichtet von Randalen und die Bayrische Polizei hat auch ihre Sicht der Dinge. Ein Lob gilt hier der MDR Sportberichterstattung: Als eine der wenigen Medien haben sie auf die deutliche Diskrepanz der Berichte hingewiesen und lassen beide Seiten zu Wort kommen. So sollte Berichterstattung eigentlich immer aussehen – aber im Fußball sind die Feinbilder schon lange geklärt und die Medien brauchen Feindbilder zum überleben.

Der Verein FC Carl Zeiss Jena hat zu den Ereignissen eine offizielle Stellungnahme veröffentlicht, die das „aus unserer Sicht völlig überzogen und das rücksichtslose Vorgehen einiger Polizeibeamter“ aufs schärfste kritisiert. Ein wichtiger und mutiger Schritt. Der Schaden für alle wird jedoch bleiben.

Nachwort:

Vor kaum einem halben Jahr war ich das erste mal in einem Fußballstadion. Heute war da achte Spiel für mich. Das ist kein großer Erfahrungsschatz, aber es ist definitiv ein prägendes Erlebnis, am Eckpfosten zu sitzen, mitten zwischen 12.500 Zuschauer, die lautstark ihre Mannschaft anfeuern. Dabei habe ich eines gelernt: Fußball ist Emotion. Pure Emotion. Und normalerweise gezielte Emotion. Direkt auf den Rasen, auf die Spieler – mit den anderen Fans zusammen. Diesen Emotionen ein Ziel zu geben ist wichtig, denn die dahinterstehende Kraft ist beeindruckend und darf nie in die ‚falschen Hände‘ geraten. Dafür sind wir alle, die Fans, die Spieler, die Vereine, die Ordner, die Polizisten und die Medien verantwortlich. Jeder für sich und alle zusammen.

Update 15.05.07: Artikel von Peter Poser in der OTZ “Nach dem Schlusspfiff Kein Burghausen”. St. Paul Fans solidarisieren sich mit Jena (Quelle).

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Banner der Fans: “Wer Polizeigewalt ignoriert, hat die pressefreiheit umfunktioniert! Gegen Medienhetze und Falschberichterstattung!!”

Vortragsbericht: Katharina Borchert über die Zukunft der Regionalzeitungen

Gestern sprach Katharina Borchert, Online-Chefredakteurin der WAZ-Mediengruppe, über ihre Ideen, den WAZ-Konzern in das Online-Zeitalter zu bringen. An der medialen Berichterstattung und Diskussion über diese Veranstaltung ist ein Stück der Zukunft der lokalen Berichterstattung zu beobachten. Auf Gonzo’s Weblog gibt es eine kurze Zusammenfassung und eigene Gedanken zum Vortrag. Sven von der Thüringer Blogzentrale hat den Vortrag auf Video aufgezeichnet, zum großen Teil online gestellt und einen ausführlichen Artikel mit Hintergründen (auch bei Medienrauschen zu lesen) zu dem Thema verfasst. In dem aktuellen Podcast von Radio-G wird ebenfalls über den Vortrag berichtet. Radio-G plant, den kompletten Mitschnitt demnächst online zu stellen. Für Bildmaterial hat das Happy Arts Blog gesorgt.

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Die lokalen Print-Redakteure waren fast vollständig anwesend, was nicht verwundert, denn der Ausgang des Online-Projektes WestEins wird später auch Auswirkungen auf die Thüringer Zeitungen OTZ, TLZ und TA (alle gehören zur Thüringer Zeitungsgruppe und damit zur WAZ) haben. Lutz Prager, der Chefredakteur der Jenaer OTZ hat in einem Print-Artikel (leider nicht dauerhaft online verfügbar) über den Vortrag berichtet. Er verwechselt ein Blog mit einem Tagebuch (da sich der Artikel and plain old Zeitungsleser richtet, verzeihen wir ihm diese Vereinfachung) und fügt dem Blog gleich noch ein „g“ hinzu:

„In Hamburg hat die aus dem Ruhrgebiet stammende 33-Jährige fünf Jahre lang ein Internet-Tagebuch – einen sogenannten Blogg – geschrieben und erlangte in der Szene unter dem Titel “Lyssas Lounge” mit ihren Alltagsgeschichten einer Großstadtnomadin Berühmtheit.„

Der von Thomas Knüwer und Don Alphonso diskutierte digitale Graben scheint also wirklich zu existieren. Das diese Themen auch im Print wahrgenommen und publiziert werden ist jedoch ein großer Fortschritt.

Über den Inhalt des Vortrages und der Diskussion werde ich in einem eigenen Artikel ausführlicher berichten.

Die folgenden Fotos dürfen für die Berichterstattung über diesen Vortrag frei verwendet werden:

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Vortrag: Die Zukunft der Regionalzeitungen

Der folgende Hinweis auf einen Vortrag morgen Abend in Jena ist gerade eingetroffen. Das Thema ist sehr spannend. Katharina Borchert wird bei ihrer Aufgabe von vielen Seiten aufmerksam beobachtet und wird ein Stück weit den Weg weisen, wie traditionelle Verlage mit ihrem Online-Angebot in Zukunft umgehen werden.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

Die Zukunft der Regionalzeitungen
Lothar Späth und Katharina Borchert am 31. Januar im Gespräch an der Universität Jena

Jena (30.01.07) Lothar Späth spricht am kommenden Mittwoch (31. Januar) an der Universität Jena zusammen mit Katharina Borchert, Online Chefredakteurin der WAZ-Mediengruppe über das Thema “Die Zukunft der Regionalzeitung im Online-Zeitalter”.

Mittlerweile ist die Nutzung von Online-Ausgaben von Zeitungen nicht mehr auf kleine Gruppen der Bevölkerung oder eine junge Elite beschränkt. Vielmehr nutzen gerade junge Menschen zunehmend fast nur noch die Online-Ausgaben von Zeitungen. Gleichwohl setzt die Nutzung dieser Ausgaben häufig ein reguläres Abonnement voraus. Die bevorzugte Zeitung weltweit zu jeder Zeit abzurufen, eröffnet immense Chancen: Ermöglicht wird der regionale Bezug in einer globalen Welt. Doch birgt der Online-Journalismus auch Risiken, etwa bei der journalistischen Qualität? Diese und andere Fragen diskutiert Lothar Späth mit seiner Gesprächspartnerin, die eine einflussreiche Mediengruppe in Deutschland vertritt.

Die Veranstaltung beginnt um 18.00 Uhr im Hörsaal 6 des Uni-Campus (Carl-Zeiß-Straße 3). Die interessierte Bevölkerung ist herzlich eingeladen, der Eintritt ist frei.

Medienmagazin V.i.S.d.P. gibt auf

ViSdPDie neue Ausgabe des „Magazin für Medienmacher“ V.i.S.d.P. liegt heute in der Post und es wird zugleich die letzte sein. Als Grund werden im FAQ hauptsächlich die Kosten für Druck und Vertrieb aufgeführt. Laut Impressum betrug die Auflage 7000 Exemplare. Es erschienen 10 Ausgaben im Jahr für 59 €/Jahr.

Es geht mit einem PDF-Magazin trotzdem ein bisschen weiter und die Redaktion feiert das Ende im typisch schrägen Stil des Magazins trotzdem als Erfolg: „Jetzt sparen wir uns einfach Druck und Vertrieb und sind eben ganz vorne dabei, was Online-Journalismus angeht…“. Es soll jeden Freitag Mittag eine frei erhältliche Ausgabe im PDF-Format im Medienszene-Newsletter erscheinen. Onlinejournalismus.de hat die erste PDF-Ausgabe schon gelesen und bewertet.

Das Magazin hat weniger durch exklusive Informationen, sondern durch das schräge Layout und die voller Selbstironie geschriebenen Artikel überzeugt und dabei einen ordentlichen Unterhaltungswert erreicht. Die Entwicklungsgeschichte ähnelt dem Trüffeljäger. Dieses Medienmagazin war ausschließlich in einem quasi interaktiven PDF-Format erschienen, musste aber im Mai diesen Jahres aufgeben.

Eine Ironie der Geschichte: Das Magazin hat selbst erst vor wenigen Ausgaben (04/2006) in einem Leitartikel berichtet: „Mach Dein Ding, Wie man ein eigenes Magazin gründet, Eine Anleitung in zehn Schritten“.