OTZ

4. February 2012

TLZ und OTZ fusionieren und gründen derosten.de

Die folgende Satire ist ein Aprilscherz. Alle Informationen sind rein fiktiv und eine Übereinstimmungen mit Personen des realen Lebens mehr oder weniger zufällig.

Holzmedien adé: Kostendruck und sinkende Abo-Zahlen treiben die Verleger ins Netz. Wie die WAZ Mediengruppe, zu der auch die beiden großen Thüringer Tageszeitungen Thüringische Landeszeitung (TLZ) und Ostthüringer Zeitung (OTZ) gehören heute mitteilte, fusionieren beide Zeitungen und gehen gemeinsam mit einem neuen Online-Portal ins Internet.

Eine Fusion macht aus Verlegersicht Sinn: die beiden (noch) miteinander konkurrierenden Zeitungen belegen über 99% des regionalen Zeitungsmarktes und werden mit dem Stichtag 1. Mai 2008 zur Mittelthüringischen Landeszeitung (MLZ) zusammengelegt. Die Redaktionen sitzen in den meisten Städten in einem gemeinsamen Pressehaus und lassen sich daher mit geringen Investitionen zusammenlegen. Bodo Hombach, der Chef der WAZ Mediengruppe betonte heute in einem Pressegespräch, das “trotz der umfangreichen Neuorientierung nur ca. 20-30% der Redakteure entlassen werden”. Für die Einhaltung des selbst gestellten WAZ Kodex wird “natürlich gesorgt”. Die damit “indirekt vergrößerte” Mannschaft soll eine “weiter verbessere Qualität der Redaktion” sicherstellen. Weitere Kosteneinsparungen werden im Druckhaus in Gera erwartet, in dem jetzt deutlich weniger Lokalausgaben gedruckt werden müssen. Durch den weiter nach hinten verlegten Redaktionsschluss ist sogar eine noch größere Aktualität bei abends stattfindenden Ereignissen möglich, freut sich Bodo Hombach.

Die WAZ-Gruppe wartet mit einer weiteren Innovation auf: nach dem erfolgreichen Start des Online Portals derwesten.de folgt der nächste Streich: derosten.de wird in wenigen Wochen online gehen und gleich den kompletten Thüringer Raum mit Nachrichten versorgen: Die Redaktion der MLZ mit regionaler Unterstützung durch die Thüringer Allgemeine (TA) werden ihre Artikel dort kostenlos präsentieren. Wie schon bei derwesten.de wird sich Katrin Borchert für die Umsetzung verantwortlich zeigen und arbeitet gerade an der Umschulung Schulung der Redakteure auf das Onlineredaktionssystem LIRPA. Wie aus für gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen verlautet, haben jedoch besonders die älteren Jahrgänge starke Vorbehalte zum neuen Portal, lassen sie sich doch für gewöhnlich das Netz nur ausdrucken.

Einzelstimmen aus den Redaktionen: Prutz Lager, Redakteur der OTZ: “Als Marktführer bei den Thüringer Tageszeitungen haben wir die beste Ausgangssituation um ein großes Medienportal auch in Thüringen einzuführen. Die Erfahrungen mit derwesten.de können wir nutzen und Klickmarktführer werden. Dazu beauftragen wir mehrere freie Fotojournalisten und Leserreporter, die unsere geplanten, umfangreiche Bildgalerien füllen werden.”. Doch nicht alle sind so begeistert über die neuen Möglichkeiten im Netz: Eine Redakteurin der TLZ (Name der Redaktion bekannt): “Wie soll ich meine Artikel online bringen, wenn ich das nächste mal mit Herrn Schröder auf Chinareise bin?” fragte sie und griff zum Telefon, um den Sachverhalt anwaltlich klären zu lassen.

Der Deutsche Journalistenverband DJV startet nach Bekanntwerden der Umstrukturierung umgehend Proteste: “DJV prangert Entstehung von Einzeitungskreisen an”. Ein Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit in Thüringen sieht der DJV und verlangt umgehende Rücknahme der Beschlüsse. “Weite Teile von Thüringen würden nur noch eine einzige Zeitung und ein Onlineportal wählen können, sollte die WAZ Gruppe ihre Fusion wahr machen.”, sagte der Vorsitzender des DJV Landesverbandes Thüringen, Wolfgang Marr, gegenüber den Medien. Weiterhin forderte er die Rückkehr der WAZ Gruppe in den Tarifverbund, eine Kündigungsschutz für Redakteure und eine Lohnerhöhung um 9%.

Bilderflut bei der OTZ

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Doch sagen 65 Bilder mehr als ein Bild? Die Ostthüringer Zeitung (OTZ) scheint das zu glauben, denn sie visualisiert den Cha-Cha-Cha Weltrekordversuch  in einer Diashow mit 65 Bildern, die zu 98% das gleiche abbilden: tanzende Paare in der Nacht bei Nieselregen. Gern würde ich an einem eigenen Foto zeigen, wie es aussehen könnte – doch war ich zum Zeitpunkt des Weltrecords selbst mit Tanzen beschäftigt.

otzbildgalerie1.png

Screenshot der OTZ Fotostrecke (Quelle: http://diashow.otz.de/otz/jena.diashow.tanzen/otz.jena.diashow.tanzen.frameset.php)

Ob die Redakteure der OTZ nach Anzahl der Klicks bezahlt werden oder die Homepage noch keine Videos unterstützt ist nicht sicher. Sicher ist: der Informationsoverkill geht in den anderen Galerien weiter: „Miss und Mister Mitteldeutschland 2007 in der Goethe Galerie“: 78 Bilder, aber nur zwei Gewinner. „Rasante Action am Burgaupark bei Stunt-Show der Steys“: 107 Bilder mit Kindern und Autos, „FC Carl Zeiss wirft Nürnberg aus dem Pokal“: 97 Bilder.

Hat sich die OTZ die Mega-Galerien als Klickhure von den Gagagalerien der Süddeutschen abgeschaut? Wir wissen es nicht. Aber wir kennen den Unterschied zwischen einem Amateurfotografen und einem Profifotografen: Der Amateur zeigt alle Bilder, der Profi wählt vorher aus. Journalisten sollten den Profis gleich tun und die Arbeit der Auswahl nicht den Betrachtern überlassen.

P.S. Die Fotos sind 370×272 Pixel groß und belegen damit etwa 5% meiner Monitorfläche. Selbst die Auflösung meines Handies ist nur unwesentlich geringer. Hier wird wohl entweder gespart, um das Trauerspiel nicht hoch aufzulösen oder weil das Internet schon fast voll ist.