PowerShot

7. February 2012

Neue Canon-Kameras IXUS 70/75 und PowerShot A560 und A570 IS

Die Bits, mit denen die letzten Artikel (IXUS-Serie, PowerShot-Serie) über Canon Digitalkameras geschrieben wurden, sind noch nicht ganz trocken und schon gibt es Nachschub: Canon hat die IXUS 70/75 und die A560 und A570 IS vorgestellt. Grund genug, die Empfehlung für die IXUS-Serie und die PowerShot-Serie zu aktualisieren.

Die gute Nachricht vornweg: Die Anzahl der Pixel wurde nicht weiter erhöht und der Sensor (1/2.5″ bei allen hier vorgestellten Modellen) wurde nicht weiter verkleinert. Damit besteht endlich wieder die Chance, dass neue Modelle der kompakten Digitalkameras nicht eine schlechtere Bildqualität wie ihre Vorgänger haben.

Die beiden neuen Modelle haben viele Gemeinsamkeiten: 7,1 Megapixel, das klassische Design, den neuen DIGIC-III-Bildprozessor, neue Motivprogramme und Gesichtserkennung. Bei allen neuen Modellen wurde die Rauschunterdrückung verbessert und der ISO 1600 Modus erstmals bei den kompakten Canon-Kameras freigeschaltet. Das ermöglicht endlich stimmungsvolle Party-Aufnahmen ohne Blitz-Einsatz. Die neue Auto ISO Shift Funktion sorgt in Zusammenhang mit den 17 Motiv-Programmen dafür, das auch weniger erfahrene Benutzer eine passende Einstellung erhalten. Die Gesichtserkennung halte ich zwar in den meisten Fällen für eine Spielerei, aber sie ist durchaus geeignet, die Bildqualität zu verbessern, da der Autofokus, die Belichtung und die Blitzstärke abhängig von den erkannten Gesichtern korrigiert werden. Vielleicht sind dann totgeblitze und damit kreideweiße Portraits endlich Vergangenheit.

Die sonstigen technischen Werte entsprechen dem aktuellen Standard und bringen wenig Neues. Der Zoombereich von 35-105 mm (äquivalent zu KB) bei einer Blende von F2.8-F4.9 ist nicht optimal, aber durchaus praxisgerecht. Die IXUS 70 und 75 unterscheiden sich nur im Design und dem verwendeten Display. Während die IXUS 70 einen 2.5″ Polysilizium-TFT-Display mit der hervorragenden Auflösung von 230.000 Pixel verwendet, ist das PureColor-Display der IXUS 75 sogar 3″ groß. Canon wirbt für dieses Display mit der Anzeige von 30 Prozent mehr Tonwerten und einer besonders lebendigen und brillanten Farbwiedergabe. Außerdem ist der Betrachtungswinkel größer und eine Anti-Reflex-Beschichtung verbessert die Sichtbarkeit besonders bei hellem Umgebungslicht. Dafür entfällt der optische Realbild-Zoomsucher. Die IXS 75 bietet ein Touch-Control-Wählrad mit direktem Zugriff auf die Motivprogramme. Außerdem ist bei ihr der direkte Wechsel in den Wiedergabemodus möglich.

Vorbehaltlich der ausführlichen Tests der Bildqualität ist löst die 125 Gramm schwere IXUS 70 damit die IXUS 60 (170 Gramm) als meine Kamera-Empfehlung ab. Die IXUS 75 kostet ca. 30 Euro mehr und hat der kleineren Schwester ein paar weiteren Tasten und das bessere Display voraus.

Die neuen Kameras der PowerShot-Serie A560 und A570 IS erben mit dem DIGIC-III-Prozessor viele Features der IXUS-Modelle, wie die Gesichtserkennung und verbessere Rauschunterdrückung sowie die Höchstempfindlichkeit von ISO 1600. Der Zoombereich von 35-105 mm (äquivalent zu KB) bei einer Blende von F2.6-F5.5 ist von den alten A-Modellen bekannt. Hier wäre ein etwas weitwinkliger Bereich von 28mm beginnend besser. Unverständlich ist, warum das 2.5″ große Display nur eine Auflösung von 115.000 Pixel besitzt. Der Bildstabilisator, der im Vergleich zur A560 etwas 50 Euro teureren A570 IS dürfte viele Fotosituationen retten oder zumindest die Bildqualität verbessern. Auf ihn würde ich beim Kauf einer PowerShot-Kamera nicht verzichten.

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Vergleich der Canon PowerShot A-Serie

Die PowerShot-Serie umfasst Canons Kompaktkameras, die etwas größer und leistungsfähiger, als die der IXUS Serie sind. Während bei der IXUS besonders auf das Design und einfachste Bedienung Wert gelegt wird, hat die PowerShot ein eher klassisches Design und mehr manuelle Einstellmöglichkeiten. Außerdem werden meist zwei AA-Batterien anstatt LiIonen-Akkus genutzt.
Die PowerShot-Modellpalette ist groß und unübersichtlich geworden. Die Unterschiede zwischen den Kameras liegen oft in einem Detail, welches nicht sofort ersichtlich (z.B. Sensorgröße 1/1.8″ bei der A620/A630), aber für die Kaufentscheidung wichtig ist. Die folgende Übersicht zeigt diese Unterschiede. Auf die vielen Marketing-Features wird nicht eingegangen, da sie in der Praxis meist nur geringe Bedeutung besitzen und von den meisten Anwendern weder gebraucht noch benutzt werden. Käufer einer PowerShot wollen einfach gute Bilder mit einer ‚Immer-Dabei-Kamera’; wer mehr möchte, greift zum Beispiel zu einer PowerShot G7 oder einer 1D Mark II.

Zusammenfassung der Kaufempfehlung ohne technische Details: Die A630 für 257 € hat ein optimales Preis/Leistungsverhältnis und geringes Rauschen. Die A540 ist die preiswerte Alternative für 179 €. Tipps für den Kauf der passenden Speicherkarte gibt der Artikel „Empfehlung SD-Speicherkarte für Digitalkameras“.

Die PowerShot A420 und A430 sind die mit rund 100 € preiswertesten PowerShot-Kameras. Deshalb fehlt es an allem Wichtigem: der Sensor ist mit 1/3″ viel zu klein, 4 Megapixel bieten keine Reserven, der Zoombereich geht erst bei 39 mm (äquivalent zu Kleinbild) los und endet bei der A420 bei 125mm (F5.1), bei der A430 bei 156 mm (F5.8). Der nur 1.8″ große Sucher löst nur 77.000 Pixel auf.

Bei der A530 (5 Megapixel, 139 €) und der A540 (6 Megapixel, 179 €) fängt aktuelle Technik an. Der 1/ 2.5″ große Sensor ist klassenüblich, der Brennweitenbereich von 35-140mm bei Blende F2.6-F5.5 ausreichend. Die A540 hat ihrer kleinen Schwester den größeren Sucher (2.5″ mit 88.000 Pixel statt 1.8″ mit 77.000 Pixel) und die ISO 800 Einstellung voraus.

Canon PowerShot A630
Die A620 (7.1 Megapixel, 248 €) wird gerade von der A630 (8 Megapixel, 257 €) und A640 (10 Megapixel, 319 €) abgelöst. Alle drei Kameras haben einen großen Vorteil: Der 1/1.8″ große Sensor. Dieser sorgt für geringes Rauschen und angenehme Hintergrundunschärfe bei Portraits. Der Zoombereich liegt zwischen 35 und 140 mm und ist ausreichend praxisnah. Bei einer Blende von F2.8-F4.1 gelingen auch in kritischen Lichtsituationen noch gute Bilder. Bei Offenblende und einer Brennweite von 1400mm fällt mehr als doppelt so viel Licht auf den Sensor wie bei einer A540. Im Vergleich kann auch eine 710 IS mit dem Bildstabilisator nur in speziellen Situationen mithalten. Licht auf dem Sensor ist auch mit Bildstabilisatoren nicht zu ersetzen. Die A620 ist nicht mehr zu empfehlen, denn die A630 bietet zum gleichen Preis mehr Leistung. Die A630 und A640 haben einen 2.5″ großen Sucher mit einer hohen Auflösung von 115.000 Pixel. Die A640 unterscheidet sich von der A630 nur im höheren Preis und durch die 10 statt 8 Megapixel. Die enormen Pixelzahlen sind bei dieser Kameraklasse fast nur noch ein Marketinginstrument. Kein bezahlbares Objektiv liefert genügend Informationen auf den Sensor, so dass die Bilder der A640 zwar größer, aber kaum schärfer werden dürften. Da jeder einzelne Bildpunkt bei gleicher Sensorgröße kleiner werden muss, steigt bei der A640 automatisch das Rauschen gegenüber der A630. Die Kaufentscheidung ist klar: den Aufpreis kann man sich sparen und zur A630 greifen.

Die A700 bietet gegenüber der A630 nur den kleineren Sensor und das mit 210mm ungewöhnliche lange Teleobjektiv. Dieser Brennweitenbereich wird in der Praxis kaum Bedeutung haben. Wer bei 210mm und Blende F4.8 noch ein gutes Bild machen will, braucht eine ruhige Hand und sehr viel Licht. Oder eine dafür geeignete Kamera, die mindestens das Dreifache kosten und wiegen wird.

Das neue Flagschiff der Canon PowerShot A-Serie A710 IS hat einen Bildstabilisator und 7.1 Megapixel, einen großen Brennweitenbereich von 35-210mm und einen 1 / 2.5″ großen Sensor. Das ist viel Leistung für 285 €, aber bringt im täglichen Einsatz wenig Vorteile und einige Nachteile gegenüber einer A630. Die A710 IS ist optimal für alle, die gern mit einem langen Tele arbeiten. Für die Party im dunklen Zimmer ist die A630 besser.