Sony

7. February 2012

Sony MP3 Player WM-E002: Top und Flop

Es gibt Unternehmen, die verstehen die Wünsche ihrer Kunden. Und es gibt Unternehmen, die ignorieren diese Wünsche komplett. Bei der MP3-Player Serie WM-E00x gelingt Sony beides. Gleichzeitig.

Die Wünsche, die an einen MP3-Player gestellt werden, sind sicherlich sehr verschieden. Ein paar der Wünsche sind jedoch allgemeingültig genug, dass sie an jeden MP3-Player gestellt werden können. Der Player soll klein sein, gut aussehen und ein gut leserliches Display haben, welches alle wichtigen Informationen verständlich anzeigt. Die Bedienung sollte unkompliziert und ohne Handbuch möglich sein. Verschiedene Playlisten, Shuffle-Modi u.ä. helfen, die Musik nach eigenem Geschmack zu organisieren. Ein interner Akku erspart das ständige Wechseln der Batterien, benötigt aber zum Laden einen USB-Anschluß. Wenn der USB-Anschluß integriert ist, fällt auch das sonst nötige zusätzliche Kabel weg.

im_nw-e000b.jpgAlle diese Wünsche erfüllt der Sony Player hervorragend. Das Gerät ist extrem klein, gibt es in verschiedenen Farben und das gut leserliche OLED-Display verschwindet, wenn der Player ausgeschaltet ist. Über die wenigen Tasten sind alle Funktionen schnell erreichbar. Der interne Akku hält laut Hersteller 30h und ist schnell geladen: 3 Minuten am USB-Anschluß und der Player läuft für einige Stunden. Die mitgelieferten Kopfhörer sind immerhin ausreichend.

Das alles klingt fast zu gut, um wahr zu sein: Doch Sony hat es geschafft, mit seiner Software eine sehr gute Hardware fast unbrauchbar zu machen. Das wäre kein Problem, wenn der Player wie eine normale Festplatte mit MP3-Dateien bespielbar wäre. Das Gerät meldet sich zwar als Wechseldatenträger an, allerdings werden die Dateien in einem speziellen Sony-Format abgelegt, welches nur die Sony SonicStage Software unterstützt.

Der Weg zu SonicStage und zur Musik auf dem Player ist allerdings lang: auf der mitgelieferten CD befindet sich nur die veraltete Version 3.x. Im Netz erhält man die aktuelle Version 4.2 – allerdings nicht einfach als Komplettdownload, sondern nur den ca. 800kb kleinen Installer, der nach dem Start neben dem eigentlichen SonicStage noch 33 MB DirectX 9.0c herunterlädt, obwohl das selbstverständlich schon installiert ist. Der Server ist zudem noch so langsam, dass die fast 50 MB Installationsdaten mit DSL-6000 erst nach über einer Stunde da sind, obwohl weniger als zwei Minuten nötig wären. Vor dem ersten Lied auf dem Player hat Sony aber noch ein paar weitere Hürden gesetzt: Bevor ein Lied auf den Player kopiert wird, muss es importiert werden. Ein direktes Drag-und-Drop auf das Transferfenster des Players ist nicht möglich. Der Import ist für einzelne Dateien oder Verzeichnisweise möglich. Meine MP3-Sammlung war nach über einer Stunde fertig importiert (Foobar benötigt weniger als 30 Sekunden, um die gleiche Menge Dateien in eine Playliste zu kopieren). Alle .OGG (Ogg Vorbis) und .FLAC-Dateien wurden dabei ohne weiteren Hinweis ignoriert. Danach ist es endlich möglich, die Lieder auf den Player zu laden. Aber nur, wenn man sie auch wiederfindet: die komplette Verzeichnisstruktur und die Dateinamen gehen beim Import verloren. Wenn die ID3-Tags nicht korrekt gesetzt sind, ist es kaum noch möglich, gezielt bestimmte Alben oder Lieder wiederzufinden. Es gibt verschiedene Sortier- und Anzeigemodi (Playlist, Alben, …), die aber beim Wechsel (nur mit der Maus möglich) auf dem 2 GHz Dual Core erst einmal 15 Sekunden Pause einlegt.

Ich erspare es mir, alle weiteren Probleme der Software zu beschreiben, denn das katastrophale Fazit würde sich nicht mehr ändern. Es bleibt die Frage, wo die Gründe dafür liegen, ein eigentlich gutes Produkt mit solcher Software so konsequent untauglich zu machen. Zum Glück gibt es Alternativen.