Zwischen „3000 Euro Nebenverdienst“, „Vegas casino Bonus“ und der „Geilen 3 Loch Stute“ lag heute eine neue Art SPAM in meiner eMail:
„Hallo Markus,
Als regelmässige Leser Deines Blogs denken wir, dass der „Mobile Security Video Award 2007″ Dich interessieren könnte. […]“
Sogar eine Mitgliedschaft in der Jury wird mir angeboten. Spannend – oder einfach dreist? Hinter dem Award steht der „Der Film- und Fotowettbewerb für Profis und Amateure“ und ist eine Web 2.0 Kampagne für Notebookzubehör einer bekannten Firma. Es werden Amateurvideos und Fotos zum Thema Notebooksicherheit gesucht und mit 10 Preisen im Wert bis zu 3000 € Wert belohnt. Für die gerade knapp 30 Teilnehmer des Wettbewerbes mit etwas Glück ein guter Deal. Sonderlich erfolgreich kann die Kampagne jedoch kaum sein, denn 7 Tage vor Ablauf wurde das meistgeklickte Bild weniger als neunhundertmal angezeigt. Viel Geld für eine geringe Reichweite. Ob es die letze Web 2.0 Kampagne der Firma sein wird?
Meine Antwort auf die Anfrage: Nein, Danke, ich bin nicht käuflich.
Viel bringt nicht immer viel. Auf die Werbung im StudiVZ bezogen heißt das: Beeindruckende 4 Milliarden Page Impressions (PI) bringen nicht automatisch eine beeindruckende Menge Geld – im Gegenteil. Der in der Werbewelt wichtige Tausenderkontaktpreis (TKP) ist bei StudiVZ im Keller.
Das soziale Netzwerke ein Problem mit klassischer Bannerwerbung haben, ist bekannt. Die Gründe und Konsequenzen lassen sich bei StudiVZ hervorragend beobachten:
Nutzung vs. Nutzer. Auf jeden der 4.471.332.528 Pis im Oktober 2007 (Zahlen der IVW) kommen bei StudiVZ nur 138.608.381 Visits, das sind ca. 32 PIs/Besuch bzw. über 1000 Klicks pro Nutzer/Monat. Die enorm hohe Zahl der PIs verteilt sich auf deutlich weniger Studenten, da diese sich oft mehrmals pro Tag einloggen. Es werden besonders häufig die immer gleichen Nutzer mit identischer Werbung zugeschüttet – eine für die Werbenden wenig gute Ausgangslage.
Kontaktpreise. StudiVZ muss seine Werbung gerechnet auf den TKP gerechnet quasi verschenken. Die Banner kosten zwischen 5 und 20 € TKP und liegen damit bei ca. 20% der gängigen Onlinepreise anderer Angebote wie z.B. Spiegel Online. Für die Textanzeigen schreibt StudiVZ nur 1.50 € TKP in ihre Preisliste. Kaum ein Werbekunde wird die Listenpreise zahlen. Ordentliche Abschläge sind üblich und bei der zu erwarteten Werbewirkung auf einem Community-Portal erwartet. StudiVZ kann das bis jetzt durch die extreme Menge an PIs noch ein Stück weit ausgleichen – die Inhalt stellen ja die Studenten bereit und die Server kosten nicht viel.
Abstumpfung. Speziell die eingebetteten Textanzeigen sind zwar nur auf dem zweiten Blick als Werbung zu erkennen, aber spätestens nach ein paar Seiten wird ein regelmäßiger Benutzer der Seite sie einfach komplett ignorieren. Da kaum eine Relevanz der Themen zu erkennen ist, dürfte die Motivation sich den Text durchzulesen kaum für eine ausreichende Klickzahl reichen.
Targeting. Die Zukunft heißt Targeting, auch für StudiVZ. Was bei diesem Thema nach den markigen Werbesprüchen übrig bleibt, wird sich in einigen Monaten zeigen. Ein Blick über den Teich zum Konkurrenten Facebook zeigt: es wird nicht einfach. Auf dem Blog Valleywag wird von Klickzahlen im Bereich von 0.04% berichtet. Das sind nur rund 400 Klicks auf eine Million PIs. Selbst mein Google AdSense Banner innerhalb der Happy Arts Fotogalerie hat eine um Faktor 10 höhere Klickrate.
Es wird schwer für die Facebooks und StudiVZs dieser Welt. Enorme Abrufzahlen und Reichweiten sind eine gute Basis – aber die bestehenden Werbekonzepte können nicht folgen. Kleinere Community-Portale, die zwar nur eine spezielle und deutlich kleinere Zielgruppe erreichen, könnten mit ausgefeilten Werbestrategien am Ende mehr Geld verdienen. Die Werbenden werden genauer definierte Zielgruppen bevorzugen und Gießkannenwerbung auf den großen Community-Portalen höchstens als Imagebildung zu einem niedrigen Preis zurückgreifen.

Screenshot von http://www.studivz.net vom 27.11.07: Die Startseite ist aktuell komplett Werbefrei
Das krisengeschüttelte Studentenportal StudiVZ beeindruckt wieder mit Extremen: die enormen Nutzerzahlen und die Inkompetenz, damit Geld zu verdienen.
StudiVZ ist der Traum jedes Werbenden: Über 90% der gut 4 Millionen Mitglieder sind in dem für Werbende besonders interessanten Alter zwischen 18 und 30 und haben ein ausführliches Profil mit persönlichen Informationen, welches jede Volkszählung und Orwell blass aussehen lässt.
Was daraus gemacht wird, freut weder Nutzer noch Inhaber des Portals: StudiVZ packt die werbende Gießkanne aus und benetzt jeden Weißraum des StudiVZ-Portals mit Werbung.
Besser kann StudiVZ seine Möglichkeiten nicht ignorieren und verschenkt nicht nur bares Geld, sondern wirbt an seinen Nutzern vorbei. Dass sich daran vorerst wenig ändern wird, hat Annette Müller (StudiVZ Head of Business Development, XING Kontakt), in einer Diskussionsrunde auf der Konferenz Insight eCommerce Anfang November unfreiwillig zugegeben. Nach ihrer Vorstellung der aktuellen StudiVZ Marketingzahlen konnte sie den Fragen des anwesenden Fachpublikums inhaltlich kaum folgen und hinterließ ein Duzend unverständlich grübelnde Gesichter.
Vielleicht ist alles jedoch nur eine Ente und StudiVZ zaubert demnächst ein Micro-Targeting aus dem Hut? Nicht, solange Begriffe wie Zielgruppen, Targeting und Datenschutz Fremdwörter für StudiVZ bleiben. Am Abend der Konferenz hatten wir noch Gelegenheit, Frau Müller mit den Profis der Szene bekanntzumachen.
Screenshot http://www.studivz.net vom 27.11.2007: Der Werdende Bereich „Einstieg“ hat jeweils 4 Banner vor- und nach dem Eingabefeld für die Jobsuche.
Siehe auch Artikel: Der Preis der Werbung im StudiVZ
“Amoklauf” als günstige Sofort-Kaufen Angebote – was soll das? Wenn man auf www.welt.de nach “amoklauf” sucht, zeigt die eBay-Werbung, wie Werbung nicht funktioniert. Manchmal ist es wenigstens noch lustig, wie die Software völlig an den Wünschen der Kunden vorbeioptimiert, aber dieses Beispiel ist definitiv nicht lustig.
Unabhängig vom Thema zeigt es aber auch noch eines: die Werbewirtschaft im Web steckt immer noch in den Startlöchern. Anders ist nicht zu erklären, was man angeblich bei eBay alles kaufen kann – wenn man der Google AdSense-Werbung glauben schenkt. Es wurden viele tausende Stichworte angegeben, auf welche die standardisierte eBay-Werbung anspringt und damit gigantische Streuverluste und semantischen Blödsinn produziert. Projekte wie adical oder LinkLift versuchen, solche extremen Unstimmigkeiten zu vermeiden und damit deutlich höhere Kosten der Werbung durchzusetzen.
Auf diesem Weblog habe ich schon verschiedene Werbeformen getestet. Google AdSend bringt hier auf dem Weblog weniger als $1 pro Tag und stört den Benutzer unverhältnismäßig. Außerdem sind die Links selten passend. Die einzige noch vorhandene Werbung ist ein Link von LinkLift auf der Sidebar. Der Link stört deutlich weniger und bringt einen festen Satz im Monat. Weiterhin sind verschiedene Produkte über Amazon-Links verknüpft. Der Vorteil ist, dass die Leser nicht gestört werden, keinen Nachteil haben und trotzdem ab und zu etwas Provision abfällt. Außerdem werden nur ausgesuchte Produkte verlinkt, die ich persönlich auch kaufen würde. Solche Pannen wie bei der eBay Werbung können damit nicht passieren.








